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Machtmenschen Die Zähmung des Alpha-Tiers

Wie man mit Diplomatie und Geduld mit Trump, Putin und Co. fertigwerden kann.

09.06.2017 14:04
Donald Trump
Auch US-Präsident Donald Trump zählt zu den Alpha-Tieren. Foto: epa

In der Weltpolitik haben sie derzeit Hochkonjunktur, in der Wirtschaft finden sich Alpha-Tiere in etlichen Chefetagen. Als dominante Führungspersönlichkeiten mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung polarisieren sie. Strotzend vor Durchsetzungswillen wandeln Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan eher auf den Pfaden der Drohung statt der Diplomatie. Doch wie im Weltgeschehen so gilt es auch in der Wirtschaft, mit solchen Alpha-Tieren zurechtzukommen. Es ist leicht, sie anzuprangern. Die Herausforderung liegt darin, ihnen mit Taktik und offenem Blick zu begegnen. Mit Diplomatie lässt sich gelegentlich auch ein Alpha-Tier zähmen.

Der Mensch sehnt sich nach starken Führungspersönlichkeiten, ob in der Wirtschaft oder Politik. Alpha-Tiere nehmen sich unangenehmer Aufgaben an, scheuen dabei weder Verantwortung noch klare Worte. Viele Mitarbeiter wünschen sich zwar Gestaltungsfreiraum, aber nur wenige wollen schwergewichtige Entscheidungen treffen. Das Problem des Alpha-Tieres ist seine Dominanz, die andere einschüchtert und hemmt. Das beeinträchtigt das Wir-Gefühl des Teams – und letztlich auch die Leistung.

Rückzug und Ablehnung bringen den Diplomaten nicht weiter. Stattdessen hält er alle Gesprächskanäle offen. Er sichert seine Verbindungen ins Umfeld des Alpha-Tiers, um informiert zu bleiben. Während das Alpha-Tier vorne angriffslustig trommelt, sucht der Diplomat hinten in Ruhe Verbündete. Mit ihnen trifft er eigene Abmachungen, ungeachtet des Gebrülls von vorne. Seine Stärke ist die Geduld, denn der Diplomat weiß: Irgendwann stolpert das arrogante Alpha-Tier über seine selbstgelegten Fallstricke.

Ein Diplomat hält nichts von Schwarz-Weiß-Malerei. Mit offenem Blick nimmt er auch das Gute des scheinbar destruktiven Gebarens eines Alpha-Tieres wahr. Denn Alpha-Tiere durchbrechen allgemein anerkannte Regeln. Das kann einen hilfreichen Effekt haben, weil es Neues hervorbringt. Unternehmen profitieren mitunter davon, wenn die good governance auf den Kopf gestellt wird. Und so sehr wir uns über Trumps Austritt aus dem Klimaschutzabkommen empören, so sehr führt uns dieses schillernde Alpha-Tier vor Augen, wie wenig wirksam das Abkommen bislang tatsächlich war.

Die Autorin ist Keynote Speaker, Kommunikationsberaterin und -Coach. Zuletzt erschien von ihr im Goldegg-Verlag: „Die Kunst des sanften Siegens – Erfolgreich mit Diplomatie“

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