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Lohntransparenz Fair Play heißt Fair Pay

Geheimniskrämerei sorgt für ungerechte Gehälter

19.07.2016 08:50
Henrike von Platen

 

In punkto Lohntransparenz herrscht in Deutschland größtmögliche Dunkelheit. Kaum jemand weiß, ob das eigene Gehalt angemessen ist oder nicht. Nicht einmal im direkten Vergleich innerhalb der Firma. Für die Belegschaft ist zwar meist offensichtlich, was die Kollegin leistet oder der Kollege eben nicht. Was sie verdienen, ist jedoch streng geheim. Festhalten kann man sich nur an Statistiken. Demnach wissen Frauen, dass sie weniger verdienen als Männer. Dann heißt es schnell: selbst schuld! Schließlich wählen sie typische Frauenberufe, bekommen Kinder und pflegen Angehörige, weswegen sie nur Teilzeit arbeiten, was wiederum dazu führt, dass sie keine Karriere machen und auf geringem Lohnniveau hängen bleiben.

Ausgerechnet unbezahlte Care-Arbeit sorgt dafür, dass es ein „unbereinigtes“ Gender Pay Gap, also eine reale Stundenlohn-Lohnlücke, von 21 Prozent gibt. Der Feierabendbierkasten enthält in der Ladies-Version nur 19 statt 24 Flaschen. Das geht alles mit rechten Dingen zu, werden Proteste abgewiegelt. Frauen müssten Mint-Berufe ergreifen und die Familienarbeit effektiver abwickeln, um besser zu verdienen. Doch selbst wenn sie andere Berufe wählten, keine Kinder bekämen und ihre (Schwieger-)Eltern ungepflegt ließen, bliebe eine unerklärliche Lohnlücke von 7 Prozent. Selbst bei gleicher Arbeit ist der Lohn nicht gleich. Frauen haben grundsätzlich weniger in ihrem Bierkasten. Statistische Ungenauigkeit, heißt es dann. Dann lasst uns doch mal Licht ins Dunkel bringen! Ein Auskunftsanspruch für alle Beschäftigten würde die Geheimniskrämerei beenden: Entweder ist dann bewiesen, was Gegner des Gesetzes gern behaupten: Die Löhne sind bereits fair! Oder es käme Gerechtigkeit zustande. Denn Transparenz wirkt. Das ist erwiesen.

Wenn die Gehälter offen liegen, können sich alle daran orientieren. Dann wird sichtbar, welche Kriterien bei der Bewertung von Arbeit eine Rolle spielen: Ausbildung, Aufgabe, Arbeitszeit? Ergebnisse, Erfahrung, Engagement? Firmenzugehörigkeit, Seilschaften, Geschlecht? Ohne Transparenz stehen alle Kollegen unter Generalverdacht. Wer Neidkultur abschaffen will, macht Leistungs- und Vergütungskriterien transparent. Gehalt ist kein Pokerspiel. Also, Karten auf den Tisch! Fair Play heißt Fair Pay. Schluss mit der Verschwiegenheit!

 

Die Autorin ist Initiatorin des partei-übergreifenden Fairpay-Bündnisses und hat Anfang Juli die Petition www.fairpay-heute.de gestartet.

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