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Landwirtschaft Essen ist politisch

Die Lebensmittelproduktion muss demokratisiert werden. Ernährungsräte bieten dazu eine Chance.

05.05.2016 11:02

Zusammen mit der Zivilgesellschaft für unsere Bauernhöfe kämpfen – das ist auch eine Frage der Würde“, schreibt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL), in der jüngsten Ausgabe der „Unabhängigen Bauernstimme“. Angesichts eines Milchpreises von 23 Cent pro Liter fühlen sich die kleinen und mittleren Erzeuger schon seit Langem vom Staat im Stich gelassen, der seinerseits den Zugang zu den letzten Ressourcen – steuerfinanziert – in die Hände multinationaler Konzerne spielt.

Für die Politik zählt einzig die merkantile Rationalität, deshalb hält Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) das millionenfache Kükenschreddern auch für, so wörtlich, „wirtschaftlich notwendig“. Der ethische und ökologische Bankrott der industriellen Landwirtschaft und ihrer politischen Begleitung ist offenkundig, die Lage selbst auf den hochgerüsteten Großbetrieben hoffnungslos. Sogar das exportorientierte Modell gilt seit dem Wegfall des chinesischen Marktes als gescheitert.

Kein Wunder, dass sich nun auch der Protest gegen das „Weiter so“ totgelaufen hat. Stattdessen entstehen neue Formen politischen Handelns, in denen Konsumenten und Produzenten ihren begrenzten Status verlassen. Der Dokumentarfilmer Valentin Thurn sagt: „Über unser Essen wird in Konzernzentralen und europäischen Behörden entschieden, immer weiter weg von uns. Wir wollen das wieder in unsere Hände nehmen und auf lokaler Ebene nachhaltige Strukturen in der Landwirtschaft unterstützen.“

Thurn hat gemeinsam mit anderen den Kölner Ernährungsrat initiiert. Ernährungsräte holen Fragen des Anbaus und der Ernährung in die Stadt und beteiligen unterschiedliche Interessengruppen an neuen Handlungsoptionen in einem festgefahrenen System. Insbesondere geht es darum, frische Lebensmittel aus der Region in die Stadt zu bringen, bäuerliche Strukturen zu erhalten und solidarische Formen des Austausches zu etablieren.

Ob Ernährungsräte zahnlose Beratungsgremien bleiben oder wirklich Handlungsmacht entfalten, wird sich zeigen. Ein erster Schritt in Richtung einer Demokratisierung des intransparenten Ernährungssektors sind sie allemal. Offenkundig ist bereits heute: Essen ist keine private Angelegenheit und wird zunehmend zum Gegenstand öffentlichen, und damit politischen Handelns.

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