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Kryptowährungen Nichtssagende Whitepaper

Sogenannte ICOs bergen große Risiken für Anleger. Die Gastwirtschaft

12.07.2018 13:34

Aus dem Börsengang ist längst das IPO geworden, kurz für Initial Public Offering. Betreut von Investmentbanken, abgewickelt über Börsen, eine etablierte Form der Kapitalbeschaffung. Ganz anders ein ICO. Das „C“ steht für Coin – und das Ganze ist eine neue Variante, bei der meist Start-Up-Firmen von Anlegern Kapital einsammeln. So weit, so gut. Doch bei ICOs werden digitale „Währungseinheiten“ erzeugt, beispielsweise neu emittierte Kryptowährungen oder sogenannte Token, die Anleger kaufen können.

Was an sich eine innovative, bankenunabhängige Finanzierungsform sein soll, wird auch von dubiosen Anbietern eingesetzt, die den Hype nutzen, um Anleger mit dem Argument zu ködern, bei einer erfolgversprechenden Kryptowährung von Anfang an dabei zu sein.

Die Vorgehensweisen mancher zwielichtiger ICOs sind Experten des Grauen Kapitalmarktes nur zu bekannt. Neben der eigentlichen Funktion eines ICO, der Kapitalaufnahme, bietet man den Anlegern mehrstufige Vergütungspläne an, wenn diese neue Anleger werben. Dabei bleibt das eigentliche Projekt des ICOs meist intransparent. Manche Angebote lassen deshalb vermuten, dass es sich um Schneeballsysteme handeln könnte. Oft fehlen auf den Internetseiten der Anbieter konkrete Ansprechpartner, häufig liegt der Firmensitz im Ausland – Panama oder Samoa etwa.

Die verfügbaren Roadmaps oder Whitepaper – Dokumente, die bei einem ICO stets einen Überblick über Risiken und Chancen geben sollten – sind bei zweifelhaften Anbietern oft nichtssagend und unvollständig. Investments in ICOs bergen auch deshalb ein hohes Potenzial für Missbrauch, da der Verkauf häufig gegen virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ethereum erfolgt. Auch die europäische Finanzaufsicht ESMA wies darauf hin, dass ICOs aufgrund ihrer Anonymität und der Möglichkeit, in kurzer Zeit hohe Geldbeträge aufzunehmen, anfällig für Betrug seien.

Gleichwohl sollten Anleger auch bei vermutlich seriösen Angeboten vorsichtig sein. ICOs sind hochspekulative Anlagen mit Totalverlustrisiko. Zudem betätigen sich hier häufig Start-ups, die noch in den Kinderschuhen stecken. Nach Einschätzung von Experten entwickeln sich nur sehr wenige dieser Unternehmungen zu einem erfolgreichen und langfristigen Geschäft.

 

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bitcoin

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