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Kryptowährung Was soll an Bitcoin verwerflich sein?

Geld ist nicht, was seitens Politik und Zentralbanken als solches definiert wird, sondern was die Bürger dafür halten. Die Gastwirtschaft von Rainer Voss, Ex- Investmentbanker und Protagonist der Doku „Master of the Universe“.

12.12.2017 09:31
Bitcoin
Bitcoin-Automat in Hongkong: Die Argumentation gegen den Bitcoin krankt daran, dass man so tut, als würde ein perfekt funktionierendes Geldsystem von einem dahergelaufenen Lumpen attackiert. Foto: dpa

Es gibt einen – nicht ganz so neuen – Sheriff in der Stadt: den Bitcoin! Was als politisch-anarchisches Experiment in Reaktion auf die Finanzkrise startete, findet inzwischen auch die Aufmerksamkeit der Mainstream-Medien. Dort wird vor allem eine Sensationsberichterstattung um die Gefahren einer Blasenbildung und die Gier nach unermesslichen Kursgewinnen betrieben. Aber lassen Sie uns doch das Narrativ vom Boom des digitalen Geldes einmal umdrehen: Vielleicht ist der steile Anstieg der Kryptowährungen gar kein Aufstieg der neuen, sondern ein Verfall unserer existierenden Währungen.

Aristoteles definierte „gutes Geld“ anhand von vier Kriterien: Es muss dauerhaft, transportierbar und teilbar sein und über einen intrinsischen Wert verfügen. Wie Gold erfüllt Bitcoin diese Bedingungen zum Teil besser als unser traditionelles Geld und es ist vor allem das Konzept der digitalen Knappheit, das erstmalig im Protokoll der Kryptowährung verankert wurde.

Gold und Bitcoin sind die einzigen Währungen, die nicht durch Regierungen manipuliert und kontrolliert werden. Gold aber ist nur eingeschränkt transportierbar und kann vom Staat konfisziert werden. Der dezentral im Internet geschaffene Bitcoin entzieht sich dieser Kontrolle.

Könnte es nicht sein, dass die Bürger angesichts immer neuer Ankaufprogramme der Zentralbanken, ausufernder Verschuldung und drohender nächster Finanzkrise das Vertrauen in die Zahlungsversprechen der Banken und Regierungen verlieren? Geld ist nicht, was seitens Politik und Zentralbanken als solches definiert wird, sondern was die Bürger dafür halten. Und so passiert es, dass in 2016 einer der Vermögensgegenstände mit der höchsten Wertsteigerung eine Damenhandtasche war und dass für einen bestimmten Turnschuh sechsstellige Dollarsummen gezahlt werden.

Die Argumentation gegen den Bitcoin krankt daran, dass man so tut, als würde ein perfekt funktionierendes Geldsystem von einem dahergelaufenen Lumpen attackiert, aber das geht an der Wahrheit vorbei. Was ist falsch daran, alternative Geldformen in Umlauf zu bringen? Wenn diese nicht akzeptiert werden, werden sie genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Solange dabei kein Schaden für die Gesellschaft entsteht, ist daran nichts Verwerfliches.

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