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Kryptowährung Blockchain an die Kette?

Warum die Regulierung von Kryptowährungen absurd ist. Die Gastwirtschaft.

28.03.2018 16:49

Gibt es einen Unterschied zwischen der Dotcom-Blase zu Beginn dieses Jahrtausends und dem aktuellen Ballyhoo um ICOs (Initial Coin Offerings)? Das Spekulationsmotiv ist in beiden Fällen unübersehbar. Ein Merkmal deutet darauf hin, dass sich derzeit eine technische Neuerung entwickelt, hinter der mehr steckt als eine unternehmerische Pionierleistung mit hohen Gewinnaussichten: Es sind nicht Unternehmen mit ihrer Geschäftstätigkeit, die das Investment reizvoll machen, sondern konkreter Nutzen. Es gibt „Münzen“ (Tokens oder Coins genannt) für die Absicherung von Verträgen, solche die Handelsketten verkürzen oder auf direkte Weise Wertschöpfung mit Zahlungen verbinden. Da entsteht eine innovative Kraft, die sich anschickt, die Wirtschaft grundlegend umzugestalten. Das Nutzungspotential der ICOs basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Für die meisten Leute ist das ein Kryptografiebuch mit sieben Siegeln.

Wie soll man etwas nutzen, aber gleichzeitig durch Horten, Sparen, Investieren von einer Wertsteigerung profitieren? Weggeben und zugleich behalten wollen, ein Dilemma, das unser gesamtes Geldsystem überschattet, denn auch dort findet eine Unterscheidung oder Gewichtung von Funktionen des Geldes nicht statt. Das führt zu einer Vermischung von Anwendernutzen und Kapitalinteressen, die den Kern der Blockchain-Technologie vernebelt. Dabei steckt darin die kreative Neuerung. Es geht um Vertrauen in selbstorganisierende Prozesse. Stehen wir am Rande eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende wir befähigt sein werden, vieles in Eigenverantwortung zu regeln, wozu wir heute noch nach höheren Instanzen rufen?

Weltweit mehren sich Stimmen, die sagen, man müsse die Kryptowährungen zum Schutz von Anlegern und Nutzern staatlich regulieren. Das ist genauso paradox, als wollte man die Privatsphäre von Menschen sicherstellen, indem man sie bespitzelt. Die Coins und Tokens entstehen dezentral. Sie sind vom Wesen her unkontrollierbar. Wer ICOs aufsetzt, hat eine Gestaltungsaufgabe. Ziel dabei sollte es sein, das Vertrauen der Nutzer für den Prozess zu gewinnen, der dem Zweck der Kryptowährung zugrunde liegt. Wem das nicht gelingt, der erleidet das Schicksal aller Anbieter von Leistungen, die keiner braucht: Sie verschwinden vom Markt.

Der Autor ist Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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