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Krieg Medikamente oder Essen?

Syrien zeigt einmal mehr, dass ein Krieg nicht nur durch Bomben tötet und nicht nur die „Gegner“, sondern Zivilisten - egal welcher politischen Zugehörigkeit.

Die Frau des syrischen Machthabers hat Brustkrebs. Das wäre privat, hätte das Präsidialamt in Damaskus am Mittwoch nicht ihren entschlossenen Kampf gegen den Krebs zur Metapher des unerbittlichen Kampfes des Regimes gegen seine Gegner stilisiert. Fakt ist indes: An den indirekten Wirkungen dieses Krieges gegen die – wie Assad sagt - „Krebszellen im Volkskörper“ sterben unterschiedslos immer mehr Menschen. Der anhaltende Stress durch Krieg und Vertreibungen hat bei Regime-Gegnern und Regime-Freunden zu einem signifikanten Anstieg von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs geführt.

Syrien zeigt einmal mehr, dass ein Krieg nicht nur durch Bomben tötet und nicht nur die „Gegner“, sondern Zivilisten - egal welcher politischen Zugehörigkeit.

Vor dem Krieg war Syrien ein Land mittleren Einkommens. Mehr als sieben Jahre später gelten zwei Drittel der Bevölkerung als extrem arm. Sie leiden an den Folgen einer Kriegswirtschaft: Viele Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten gibt es nicht mehr, die Inflation ist gewaltig. Die Preise haben sich verzehnfacht, ohne dass Renten und Löhne mitgestiegen wären.

Die einst gute Gesundheitsversorgung im Land liegt am Boden. Freie Behandlungen sind massiv eingeschränkt, nur noch jedes zweite Krankenhaus kann den Betrieb aufrechterhalten. Medikamente und Behandlungen an Privatkliniken sind kaum erschwinglich.

Mehr syrische Frauen denn je sterben an Brustkrebs, weil das Assad-Regime den „Krebs“ ausmerzen wollte: Da allein die Untersuchungen mehr als dreimal so viel kosten wie Renten oder Gelegenheitsarbeiten einbringen, bleibt vielen Frauen nur ein Wunder oder der Tod.

Insgesamt sorgen sich in Syrien mehr als 6,3 Millionen Menschen ums tägliche Überleben. Über 13 Millionen Menschen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch humanitären Helfern fehlt in vielen Regionen immer noch der Zugang. Und es fehlen in diesem Jahr mehr als zwei Milliarden US-Dollar.

Die Vereinten Nationen mussten deshalb ihre Hilfe – etwa für chronisch Kranke – wochenlang unterbrechen. Viele Familien müssen sich dann entscheiden, ob sie Medikamente für die Kranken oder Essen für ihre Kinder kaufen.

Die Autorin ist Präsidentin
des evangelischen Hilfswerkes „Brot für die Welt“.

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