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Konsum Wir werfen zu viel weg

Viele eigentlich funktionstüchtige Produkte werden entsorgt. Ein Recht auf Reparatur könnte das ändern.

17.03.2017 17:04

Es ist so selbstverständlich für die meisten Menschen, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenken. Wer heute etwas kauft, hat zwei Jahre Gewährleistung auf das von ihm erworbene Produkt. Konkret hat er mindestens sechs Monate das Recht zwischen Nachbesserung (Reparatur) oder Nachlieferung (Tausch) zu wählen. Gesetzgeber und die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass eine Reparatur unzumutbar ist. Kein Wunder also, dass ein Drittel aller Geräte, die auf dem Abfall landen, noch funktionieren und ein weiteres Drittel repariert werden könnte. 

Theoretisch könnte der Konsument zwar sein Wahlrecht auch so wahrnehmen, dass er auf einer Reparatur besteht, praktisch aber kann der Hersteller in der Regel beweisen, dass der Aufwand, der ihm durch eine Reparatur entsteht, im Vergleich zu einem Tausch – unverhältnismäßig hoch ist.

Die Gerichte und die Gesetzeskommentare zeigen, dass die Rechtssprechung als Hüter des Rechtes auf Verbrauch den armen, schutzwürdigen Konsumenten gerne die Reparatur ersparen möchte. Sie finden es beispielsweise völlig unzumutbar, einem Haushalt eine Waschmaschine zwei Wochen vorzuenthalten.

Jetzt wollen die Verbraucherschützer die neue Online-Verkaufs-Richtlinie der EU dazu nutzen, das Recht auf Nachbesserung deutlich zu verlängern. Zwischen drei und sieben Jahre Gewährleistung sind – je nach Produktgruppe – im Gespräch. Die Kommission will die Beweisumkehr auf jeden Fall auf zwei Jahre verlängern. Zwei Jahre ist dann jeder Defekt automatisch dem Händler oder Hersteller anzulasten.

Bleibt ansonsten alles wie es ist, bedeutet dies, dass in Zukunft noch weniger repariert und noch mehr verschrottet wird. Solange die Rohstoffpreise so niedrig und die Arbeitskosten vergleichsweise hoch sind und eine Reparatur mit Unbequemlichkeiten verbunden ist, wird sich das Rad der Ressourcenverschleuderung dann noch einmal ein wenig schneller drehen.

Die unheilige Allianz zwischen „Verbraucherschützern“ und Herstellern ist für die Umwelt und für künftige Generationen eine Katastrophe. Auf dem Altar des Verbraucherschutzes werden so die Rechte der Verbraucher von Morgen geopfert. Von den vielen kleinen Reparaturbetrieben, die das nicht überleben werden, ganz zu schweigen.

 

 

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