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Konjunktur (Keine) Euro-Panik

Die Stärke der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar ruft mal wieder die Mahner auf den Plan, aber ist sie eigentlich ein Grund zur Sorge?

04.08.2017 16:49

Eine neue Angstwelle macht sich an den Finanzmärkten breit: die Angst vor einem starken Euro. Wie bei den meisten Wahnvorstellungen ist Panik unbegründet. Eine kleine Spur von Wahrheit lässt sich aber nicht verneinen.

Scheinbar kann der Euro es nie allen recht machten. Sinkt sein Wechselkurs, wird dies als Zeichen des miserablen Zustands der Währungsunion gedeutet und man muss ihr sofortiges Auseinanderbrechen befürchten. Steigt der Wechselkurs, warnen die mahnenden Stimmen vor einem baldigen Einbruch der Exporte und damit vor einem katastrophalen Ende eines jeden Aufschwungs. So auch wieder in den vergangenen Wochen.

Der gegenüber dem Dollar erstarkte Euro unterstreicht, dass momentan das größte Konjunkturrisiko für Deutschland und die gesamte Eurozone aus dem Ausland kommt. Während die Inlandsnachfrage das Wachstum trägt, sind geopolitische Unsicherheiten, eine Abkühlung der amerikanischen Konjunktur sowie die Nebenwirkungen der Brexit-Verhandlungen, potenzielle Wachstumsbremsen. Auch ohne eine Aufwertung des Euro.

Trotzdem gibt es keinen Grund, in Panik zu verfallen. Das Niveau des Euro gegenüber dem Dollar liegt immer noch leicht unter seinem historischen Durchschnitt. Gegenüber anderen Währungen hat der Euro außerdem weniger stark aufgewertet. Wechselkursabsicherungen, Gewinnmargen als Puffer und eine internationale Nachfrage, die sehr unempfindlich ist für Preissteigerungen, haben vor allem bei deutschen Exporten in den vergangenen Jahren eine asymmetrische Reaktion hervorgerufen: Während die Exporte von einem schwächeren Euro profitieren, lässt ein stärkerer Euro sie relativ unberührt.

Die Diskussion über die vermeintliche Euro-Stärke ist eine gute Erinnerung, dass die größten Risiken für die deutsche und europäische Konjunktur momentan aus dem Ausland kommen. Grund zur Panik gibt es aber nicht. Im schlimmsten Falle verliert der konjunkturelle Rückenwind an Geschwindigkeit. Zum Gegenwind wird er aber nicht so schnell. Man sollte die aktuelle Euro-Stärke daher als das sehen, was sie ist: ein Zeichen zunehmender Attraktivität der Eurozone. Ein Zeichen von Stärke. Nach Jahren der Krise keine so schlechte Veränderung.

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