Lade Inhalte...

Kommunikation Worauf es beim Streiten ankommt

Zuhören und ausreden lassen sind wichtig, aber noch kein Verstehen und schon gar keine Kultur. Die beginnt erst, wenn wir uns sagen: „Vielleicht hat der andere ja recht.“

18.07.2017 09:34

Das ist ein Fass ohne Boden. Wir müssen diesen Standort dichtmachen.“ Ein solches Statement beweist: Da hat einer seine Meinung mit Zement angerührt. Alle ducken sich, bis auf einen: „Unsinn! Das ist nur eine Delle; das kann ich beweisen!“ Es folgt eine Zahlenschlacht, in der das beste Konzept im Kampf um Deutungshoheit untergeht.

Nur ein Konzernproblem? Schauen wir uns mal um. Wenn der Kleingartenverein um Tabupflanzen zankt, wenn Donald Trump twittert oder Olaf Scholz mit der Polizei streitet, ob er Hamburg der G20-Elite geopfert hat: Rechthaberei ist ein Virus, der vom Einzelnen bis zur Regierung alle infiziert – einer, der uns Nerven, Zeit, Geld und sogar das Leben kosten kann, wenn Putin und Erdogan auf stur schalten.

Natürlich ist jeder bestens vorbereitet, wenn er in den Ring steigt. Zahlen und Argumente wollen poliert sein, wenn wir auf Krawall gebürstet sind. Leider verführt das dazu, eher die eigene Meinung zu stärken als die beste Lösung zu finden – eine steigende Gefahr, je mehr uns etwas am Herzen liegt. Dann schnüren wir die Handschuhe noch enger, um härter und genauer zu treffen. Viele belegen sogar Rhetorikkurse, um andere ausknocken zu können. Fragen, die ein streitbares Miteinander bräuchten, werden zur Arena, in der man „Gegenüber“ sagt und Gegner meint.

Deshalb: „Lassen Sie uns aufhören, recht zu haben!“ Jede Diskussion um Richtig und Falsch ist ein Krieg, in dem der Sieg das Vertrauen und die Leidenschaft der Verlierer kostet. Lösungen mit Macht oder Manipulation durchzudrücken, ruiniert Innovationen und die soziale Energie. Schärfen wir lieber unser Denken durch Reibung, um höhere Einsichten zu finden. Zuhören und ausreden lassen sind wichtig, aber noch kein Verstehen und schon gar keine Kultur. Die beginnt erst, wenn wir bewusst Erkenntnisgewinn anstreben und uns sagen: „Vielleicht hat der andere ja recht.“

Es ist faszinierend, wie gut und angenehm selbst schwierigste Gespräche laufen, wenn wir diese Haltung leben. Nur, wenn wir offen, aufrecht und gelassen diskutieren, erleben wir, dass Widerspruch kein Angriff, sondern ein Ansporn zum Denken ist. Nur dann lernen wir, Substanz von Blendwerk zu trennen und jenseits des Tellerrands mehr zu finden als halbgare Lösungen.

Der Autor ist Unternehmer sowie Strategie- und Veränderungsexperte. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Konsequenz! Management ohne Kompromisse – Führen mit Klarheit und Aufrichtigkeit“ (Ariston-Verlag).

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum