Lade Inhalte...

Karriere Wo führen sie denn?

400 Top-Managerinnen bleiben unsichtbar. Vortreten, bitte!

13.09.2016 18:11

In vielen Branchen gehört es längst zum guten Ton, sich „pro Quote“ zu engagieren. In den Medien und in der Medizin fordern prominente Stimmen mehr Frauen in der Führung, auch Justiz und Politik kämpfen längst für Lohngerechtigkeit und Chancengleichheit. Eigentlich sind sich alle einig: In der Gleichstellung liegt der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg der Zukunft.

Nur in einer Ecke bleibt es seltsam still: Aus der Wirtschaft selbst hört man selten den Ruf nach mehr „Women on Board“. Dabei müsste die Businesswelt keineswegs bei Null anfangen: In den 160 Unternehmen der Dax-Familie gibt es schon weit mehr als 400 Frauen in Spitzenpositionen, nämlich 42 in Vorständen und 435 in Aufsichtsräten. Prozentual ist das eher wenig, doch die absolute Zahl beeindruckt durchaus.

Doch kaum eine der Top-Managerinnen kommt über die Bekanntheit im eigenen Unternehmen hinaus – außer, sie gerät an einen Heiratsschwindler. Dabei hatte Susanne Klatten nicht nur ein großes Herz, sie kontrolliert ein Unternehmen mit knapp 6000 Mitarbeitern – als Aufsichtsratschefin beim Chemieriesen SGL Carbon. Von Sandy Moser und Eva Castillo Sanz, ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzende, haben selbst Wirtschaftsjournalisten oft noch nie gehört. Anke Schäfercordt? Angela Titzrath? Antje Leminsky? Fehlanzeige – dabei tragen alle drei als Vorstandsvorsitzende sehr viel Verantwortung für sehr viel Geld und sehr viele Arbeitsplätze. Von Janina Kugel, Claudia Nemath oder Simone Menne hat man schon mal gehört, aber wer wüsste die 17 anderen Frauen aus den Dax-30-Vorstandsetagen zu nennen?

Nur einmal angenommen, die weit über 400 Spitzenfrauen würden ihre Position nutzen, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, und „Pro Quote Wirtschaft“ gründen. Einmal angenommen, ihre Namen würden auch dann fallen, wenn es um mehr als die Farbe ihrer Pumps oder den aktuellen Beziehungsstatus, sondern um – Achtung! – Wirtschaftsfragen geht. Was wäre, wir würden sie als Expertinnen regelmäßig befragen, als Referentinnen auf Wirtschaftskongresse einladen, über sie berichten? Sie sind längst da, die Frauen in Führung, die die Wirtschaft auf „Vorderfrau“ bringen sollen. Bloß: Solange die wenigen, die schon in der ersten Reihe stehen, unsichtbar bleiben, wird es dauern, bis eine deutsche Dax-30-Chefin selbstverständlich ist wie eine Kanzlerin. Vortreten, bitte!

Die Autorin ist Publizistin, PR-Beraterin und Mitglied bei Pro Quote Medien.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen