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Handelsstreit Die Wirtschaft umbauen

Der Handelsstreit sollte genutzt werden, um das aktuelle Wirtschaftssystem in Frage zu stellen. Die Gastwirtschaft.

20.07.2018 16:49

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Autos und Industriegüter treffen Deutschland an einer empfindlichen Stelle. Das Land ist Exportweltmeister, noch immer hängen viele Jobs hierzulande an der Produktion für andere Märkte. Doch die Produktion und der Konsum dieser Güter heizt den Klimawandel weiter an und zementiert global ein ungerechtes Wirtschaftssystem, in dem Wenige superreich sind und die Mehrheit arm ist. Der Handelsstreit sollte als Chance genutzt werden, das aktuelle Welthandels- und Wirtschaftssystem in Frage zu stellen. Statt Industriearbeitsplätze blind zu verteidigen, müssen sie sozialverträglich und ökologisch umgebaut werden.

Derzeit wird viel kritisiert, dass linke Parteien in Deutschland und Europa zu wenig für soziale Gerechtigkeit tun. Sie hätten die Arbeiter*innen vergessen und Raum für rechte Parteien geschaffen. Soziale Gerechtigkeit heißt in Industrieländern allerdings zu oft, für gute Arbeit und hohe Löhne in Branchen zu kämpfen, die nicht nachhaltig sind. Deutschlands starke Industriezweige sind Auto(teile), Rüstung, Maschinen, Chemieerzeugnisse und Datenverarbeitungsgeräte.

Den Kampf gegen den Klimawandel anzugehen hieße, diese Industriezweige grundlegend auf soziales und ökologisches Wirtschaften auszurichten. Da reicht kein grüner Anstrich mit ein paar Berichten über die CO2-Reduktion in der Produktionskette. Durch einen Umbau der Sektoren müssen die negativen Auswirkungen im gesamten Lebenszyklus der Produkte reduziert werden. Denn durch CO2-Emissionen, Chemieprodukte, Unfälle und Krieg – basierend auch auf deutschen Produkten – werden Leben und Lebensgrundlagen vernichtet.

Dass ein Festhalten an diesen alten Industrien und ein gleichzeitiges effektives Vorgehen gegen den Klimawandel nicht möglich ist, ist (eigentlich) weltweit bekannt. Dass dieser Schluss auch für soziale Gerechtigkeit gilt, wird jedoch oft negiert.

Die Linke sollte nicht dem Glauben aufsetzen, ein bisschen mehr Zuwendung zu Gerechtigkeit im klassischen Sinne könnte unsere Gesellschaft in neue Bahnen lenken. Zukunftsfähig sein heißt, Visionen und Konzepte für eine soziale, umweltfreundliche und demokratische Gesellschaft und Wirtschaft zu entwickeln und umzusetzen.

 

Die Autorin arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von www.degrowth.de.

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