Lade Inhalte...

Handelspolitik Erschwerte Entwicklung

Die Welthandelsorganisation WTO tut nichts für die Armutsbekämpfung in Afrika.

12.12.2017 15:34

Gerade findet die elfte Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Buenos Aires statt. Bei der vierten WTO-Ministerkonferenz, 2001 in Doha, wurde eine neue Verhandlungsrunde beschlossen. Mit dem Versprechen, bei der „Doha-Entwicklungsrunde“ werden die Interessen der Entwicklungsländer im Mittelpunkt stehen. Doch die Industriestaaten wollten vor allem weiterhin die wirtschaftlichen Interessen ihrer international agierenden Konzerne durchsetzen, und die globalen Wertschöpfungsketten kontrollieren. Das Thema Entwicklung für die wirtschaftlich schwachen Länder bleibt dabei auf der Strecke.

Um Hunger und Armut zu bekämpfen ist der Agrarhandel seither, für die Länder des globalen Südens, ein wichtiger Streitpunkt in der WTO. Trotz weltweiter Konflikte und Fluchtbewegungen exportieren wir weiterhin subventionierte Lebensmittel in die Länder Afrikas und zerstören dort damit nicht nur die Lebensgrundlage von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, sondern verhindern, dass sie eine eigenständige Ernährungssicherheit entwickeln können.

Aber auch in anderen Wirtschaftszweigen können sie ihre Märkte, durch den Zwang zur Liberalisierung und der offenen Märkte, nicht vor ausländischer Konkurrenz schützen. Eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung wird dadurch verhindert. Daher müssen einmal eingegangene Liberalisierungsverpflichtungen, die eine eigenständige Entwicklung verhindern, wieder zurückgenommen werden.

Selbst minimale Ergebnisse bei den Verhandlungen in Buenos Aires, zum Beispiel bei Fischereisubventionen, sind nicht zu erwarten. Dagegen soll die „Doha Entwicklungsrunde“, ohne eine echte Entwicklungsperspektive beerdigt werden. Die EU und andere Industrienationen drängen hingegen darauf, neue Themenfelder, wie das Thema elektronischer Handel, zu verhandeln. Dies wäre ein Rückschlag für den Datenschutz und könnte zu einer beispiellosen Machtkonzentration der ohnehin schon jetzt mächtigen Konzerne, Apple, Amazon und Co. führen.

Auch in Buenos Aires befinden sich die Verhandlungen der WTO in der Sackgasse. Armutsbekämpfung ist nur mit einer anderen, gerechten und umweltbewussten Handelspolitik möglich. Aber die steht nicht auf der Tagesordnung.

Der Autor ist Handelsexperte des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen