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Handel mit Afrika Bröckelnde Abhängigkeit

Der Einfluss Europas in Afrika verändert sich. Inzwischen ist China der wichtigste Handelspartner Afrikas.

10.09.2018 16:19

Der wirtschaftliche Einfluss Europas in Afrika und der Zugriff auf dessen Rohstoffe wurde lange Zeit gerade auch wegen der kolonialen Vergangenheit als naturgegeben vorausgesetzt. Jene Abhängigkeiten sind jedoch gewaltig ins Wanken geraten. Inzwischen ist China mit einem Handelsvolumen von 170 Milliarden Dollar der wichtigste Handelspartner Afrikas.

Auf dem China-Afrika-Gipfel in Peking Anfang des Monats bekräftigte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Chinas Interesse an Afrika und stellte Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre in Aussicht. Auch die britische Premierministerin Theresa May war jüngst in Afrika unterwegs und bekundete, sie wolle für die Zeit nach dem Brexit, Großbritannien zum größten Investor in Afrika unter den G7-Industrienationen machen.

Anschließend war nun auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation im Senegal, Ghana und Nigeria. Bei den dortigen Gesprächen ging es jedoch nicht nur um wirtschaftlichen Einfluss und die Absicherung von Absatzmärkten. Im Vordergrund stand, Migration möglichst zu verhindern. So erklärte Senegals Präsident Macky Sall, Senegal habe sich verpflichtet biometrische Pässe einzuführen. Damit soll die Rückführung von Migranten erleichtert werden. Doch deutlich wurde am Beispiel Nigerias auch, die nicht bereit waren, bei der Migrationsfrage substanzielle Zusagen zu machen, dass immer mehr afrikanische Länder sich von der EU nur bedingt unter Druck setzen lassen. Dies zeigt, die Verhältnisse beginnen sich zu ändern, die alleinige Abhängigkeit von Europa beginnt zu bröckeln.

Es wäre daher längst an der Zeit die Beziehungen Europas zu Afrika auf eine neue zukunftsfähige und für alle faire Grundlage zu stellen. Da reicht es aber nicht, wenn Merkel der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) einen Besuch abstattet. Denn auf der anderen Seite werden die afrikanischen Staaten mit unfairen Handelsabkommen, wie den EPAs gezwungen, Bedingungen zu akzeptieren, die ihren schon bestehenden teilweise freien Zugang zum EU-Markt weiterhin nur dann gewährt, wenn die EU für 80 Prozent ihrer Exporte Zollfreiheit erhält. Eine solche Marktöffnung zerstört lokale erfolgreiche Produktionszweige und ist für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas fatal.

Der Autor ist Handelsexperte des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac.

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