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Greenwashing Vattenfalls blühender Garten

Der Konzern, der jährlich 8,5 Millionen Tonnen CO2 allein von Hamburg aus ins Gemeingut Luft entlässt, engagiert sich in Berlin für die Begrünung der Stadt.

26.04.2017 16:04

Mit der Förderung von Braunkohle und dem Betreiben von Atomkraftwerken hat der Energiekonzern Vattenfall viel Geld verdient – und hohe Kosten für Natur und Gesellschaft verursacht. Nun verklagt der Konzern die Bundesrepublik wegen des Atomausstiegs auf fast fünf Milliarden Euro Schadenersatz für „entgangene Gewinne“. Soweit die Fakten, die einen düsteren Blick auf kommende Freihandelsabkommen werfen, denn die Verhandlung wird vor einem internationalen Schiedsgericht geführt. Schon jetzt kostete das Verfahren den deutschen Staat mehrere Millionen – Geld, das fehlt, um zum Beispiel grüne Infrastrukturen in den Städten auszubauen. Hier wiederum engagiert sich – ausgerechnet – Vattenfall! In Berlin eröffnet der Konzern sogenannte „Vattenfall-Gemeinschaftsgärten“.

Ein klarer Fall von Greenwashing, finden Gartenaktivisten und protestieren mit Schildern vor dem umzäunten Grundstück: „Vattenfall + Gärten = Trump + Klimaschutz“. Sie kritisieren, dass das erst 2015 eröffnete Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg die Netze blockiere und die Energiewende behindere.

Der Vattenfall-Pressesprecher reagiert pikiert und reklamiert für seinen Konzern Absolution: „Auch wir sind Teil der Urban-Gardening-Bewegung“, spricht er ins Mikrofon des Freien Radios. Eine verblüffende Aussage. Der Konzern, der jährlich 8,5 Millionen Tonnen CO2 allein von Hamburg aus ins Gemeingut Luft entlässt, engagiert sich in Berlin für die Begrünung der Stadt? Ist das Ausdruck für die widersprüchliche Gemengelage, in der sich alle Akteure in ausdifferenzierten Gesellschaften befinden? Oder handelt es sich nicht doch um Greenwashing, wenn ein Konzern Widerstandspraxen der Zivilgesellschaft nachahmt und in sein Marketingsystem integriert?

Vergleicht man die Ästhetik der beiden „Vattenfall-Gemeinschaftsgärten“ mit dem „Shabby Chic“ der zivilgesellschaftlich aufgebauten Projekte, stechen die Unterschiede allerdings schnell ins Auge: Während die allermeisten Gärten aus upgecycelten Altmaterialien in Eigenarbeit entstehen, wirkt der Vattenfall-Garten wie die Konsumvariante der Do-it-yourself-Bewegung: Alles ist neu: gekaufte Holzkisten, bezahlte Gärtner, nagelneue Liegestühle, glänzende Sandschaufeln – und Bannerwerbung mit dem allseits präsenten Firmenlogo. Vielleicht ist es doch einfach nur ein Firmengarten.

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