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Grauer Kapitalmarkt Schlecht beraten

Und wieder hat es Anleger am Grauen Kapitalmarkt erwischt: Die Investmentfirma P&R ist pleite. Es sind nicht immer hohe Renditeversprechen, die Sparer locken. Oft ist auch die Beziehung zum Vermittler ausschlaggebend.

17.05.2018 09:04

Wenn mehr als 50 000 Anleger am Grauen Kapitalmarkt Milliarden in den Sand setzen, stellt sich schnell die Frage: Wie kann das passieren? So auch bei der jüngsten Pleite am Grauen Kapitalmarkt, der Insolvenz der P&R Transport-Container GmbH. Schnell ist zu hören, dass die Kunden, angelockt von hohen Renditen, ihr Investment nicht genauer geprüft haben. Nach dem Motto: Gier frisst Hirn.

Richtig ist, dass am Grauen Kapitalmarkt Zinssätze geboten werden, die mit einer „normalen“ Geldanlage nichts zu tun haben. Wer sich im Internet auf die Suche begibt, findet schnell vermeintlich verlockende Angebote wie: „Zwölf Prozent Rendite in nur fünf Monaten. Komplett risikofrei in Hotels investieren“ oder „zwölf bis 15 Prozent Wertzuwachs p.a., Ertrag durch das natürliche Baumwachstum, Risiken versichert“. Zweistellige Renditen sollten Verbraucher in der Tat stutzig machen – erst recht, wenn zusätzlich von Sicherheiten die Rede ist.

Bei den Angeboten von P&R ist es jedoch fraglich, ob die hohe Rendite das vorherrschende Anlagemotiv war. Je nach Tranche wurden bei dem Container-Investment zwischen vier und fünf Prozent geboten. Selbst auf dem weißen Kapitalmarkt gibt es Renditen, die in diese Richtung gehen. So bekommt man für einen zehnjährigen Sparbrief immerhin noch bis zu 1,8 Prozent Zinsen – mit deutscher Einlagensicherung. Und wer etwas beherzter investiert hat, erzielte mit einem Unternehmensanleihen-Indexfonds mit mittlerer Risikoklasse im vergangenen Jahr 4,6 Prozent. Gier sieht anders aus.

In einer Untersuchung der Verbraucherzentralen zum Grauen Kapitalmarkt nannten 60 Prozent der Verbraucher eine sichere Anlage beziehungsweise den Werterhalt als Anlagemotiv. Es folgte Altersvorsorge mit 48 Prozent. Eine höhere Rendite spielte eine geringere Rolle (27 Prozent). Das zeigt: Allein die hohe Rendite ist es nicht, die zu den Fehlinvestitionen der Verbraucher am Grauen Kapitalmarkt führt.

Eine wichtige Rolle spielt oft das Beziehungsgeflecht zwischen Verbraucher und Vermittler. Nicht selten wird eine gute, überzeugende Geschichte aufgetischt. Etwa so: Container, die werden gebraucht, es wird wieder mehr auf Seewegen transportiert und auch der TÜV hat das abgenommen. Nur eins haben die Geschichten am Grauen Kapitalmarkt selten: ein Happy End.

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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