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Gleiche Aufstiegschancen Frauen richtig fördern

Motivationsveranstaltungen für Frauen sind Augenwischerei, ja sogar gefährlich. Denn sie suggerieren, dass es einzig und allein an ihnen selbst liege, wenn sie noch nicht auf dem Chefsessel sitzen. Die Gastwirtschaft.

19.09.2018 16:49

Wer es immer noch nicht glauben will: Firmen mit gemischten Vorstandsteams erwirtschaften die besseren Ergebnisse. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat das gerade wieder einmal gezeigt. Ein hoher Frauenanteil im Top-Management bedeutet eine 21 Prozent höhere Chance auf überdurchschnittlichen Erfolg. Für Unternehmen lohnt es sich also, in die Frauenförderung zu investieren. Aber Vorsicht: nur dann, wenn sie auch ernst gemeint ist. Wenn die Frauen mit Mentoring-, Coaching- und Talentprogrammen sowie einer guten Feedbackkultur konsequent unterstützt werden. Und wenn Führung in Teilzeit auch wirklich möglich ist.

Was sich aber gar nicht rechnet, weder für die Frauen noch für die Firmen, sind Alibi-Veranstaltungen: ein einzelner Vortrag etwa, bei dem die Frauen gelobt werden und ihnen womöglich erklärt wird, dass sie doch längst die gleichen Aufstiegschancen hätten wie Männer. Denn das ist ein Märchen, auch wenn es viele Chefs für eine Tatsache halten.

So sind laut der Umfrage „Chefsache Report 2018“ zwei Drittel der befragten Führungskräfte (68 Prozent) offenbar der Ansicht, dass das Geschlecht bei der Karriere in ihrem Unternehmen keine Rolle spiele. Hallo! Aber nur 29 Prozent wissen etwas von standardisierten Kriterien, mit denen Talente identifiziert und in passende Positionen befördert werden können. Gleichzeitig zeigt sich, dass Führungskräfte vor allem Talente fördern, die ihnen selbst ähnlich sind – in Bezug auf Geschlecht, Herkunft und Ausbildung. Auf Diversität bei der Zusammenstellung der Teams achtet hingegen nur jeder Fünfte. Bloß 27 Prozent der Führungskräfte geben an, Gender Diversity gehöre zu den zehn wichtigsten strategischen Zielen ihres CEOs.

So lange die Praxis so aussieht, sind einzelne Motivationsveranstaltungen für Frauen nur Augenwischerei, ja sogar gefährlich. Denn sie suggerieren den Frauen, dass es einzig und allein an ihnen selbst liege, wenn sie noch nicht auf dem Chefsessel sitzen. Dass sie ja könnten, wenn sie nur wollten. Das ist Futter für die Selbstzweifel, die weibliche Beschäftigte in der Regel ohnehin stärker plagen als ihre männlichen Kollegen. Wenn ich merke, dass ein Vortrag von mir dazu dienen soll, eine Firma in ein gendergerechtes Licht zu tauchen, verzichte ich gerne darauf.

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag. www.meuselbach-seminare.de

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