Lade Inhalte...

Gleichberechtigung Transparenz bei Löhnen!

Frauen sind noch immer strukturell benachteiligt. Bis zur Entgeltgleichheit darf es nicht noch einmal 111 Jahre dauern.

05.03.2017 10:34

Dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist seit Langem bekannt. Schon vor 111 Jahren machte die deutsche Sozialreformerin Alice Salomon auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufmerksam – geändert hat sich seither wenig. Ursachen für die hartnäckige Entgeltungleichheit gibt es viele: Frauen ergreifen die „falschen“ Berufe, arbeiten in Teilzeit oder bleiben ganz zu Hause, sie sind geringer qualifiziert oder verhandeln schlechter. 

Doch selbst wenn wir alle den äußeren Ungleichheiten geschuldeten Unterschiede abziehen, bleibt am Ende eine Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, die durch nichts zu erklären ist – wohlgemerkt zwischen Beschäftigten, die gleichwertige Arbeit in exakt dem selben Umfang leisten. Geredet wird darüber kaum: Das eigene Einkommen ist in Deutschland ein größeres Tabu als die sexuelle Orientierung. Im Ergebnis wissen wir viel über statistische Lohnlücken, sprechen aber nur selten über konkrete Gehaltsgräben. Die Schieflage bleibt im Unternehmensalltag also in der Regel abstrakt. Kein Wunder, dass sie so schwer aus der Welt zu kriegen ist!

Denn es gibt niemanden, der Frauen schlechter bezahlen möchte als Männer. Jedes Unternehmen will seine Beschäftigten gerecht entlohnen. Niemand will Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Hautfarbe benachteiligen. Niemand soll dafür entlohnt werden, was er oder sie ist. Löhne und Lohnunterschiede orientieren sich an der Leistung unserer Fach- und Führungskräfte. Dennoch bleibt unterm Strich eine strukturelle Benachteiligung einzelner Beschäftigter, wie die Statistiken beweisen.

Nun will der Bundestag Unternehmen dabei unterstützen, den guten theoretischen Willen in der praktischen Gehaltsrealität umzusetzen: Das neue „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ schafft in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten einen Auskunftsanspruch. Das Gesetz allein wird die Ungerechtigkeit nicht aus der Welt schaffen – aber es macht die Lohnlücke sichtbar. Ein erster Schritt, damit es mit dem Fortschritt in Sachen Entgeltgleichheit nicht noch einmal 111 Jahre dauert, sondern in Zukunft ein bisschen schneller vorangeht – immerhin wurde nach Alice Salomon ein ICE benannt!

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen