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Gesundheitswesen Sich krank schuften

Viele Betriebe haben erkannt, dass sich Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement rentieren. Warum tun sich Unternehmen des Gesundheitswesens so schwer damit, es anderen Branchen gleich zu tun? Die Gastwirtschaft.

25.05.2017 18:56
Krankenhaus
Es fehlt oft an Anerkennung für etliche Berufe im Gesundheitswesen. Das muss sich dringend ändern. Foto: imago

Wir wissen seit längerem, was gute Arbeit ausmacht: Autonomie und Selbstbestimmung, Abwechslungsreichtum und Gestaltungsspielräume, Respekt und Anerkennung, faire Bezahlung und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen.

Viele Betriebe haben erkannt, dass sich Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement ökonomisch und humanitär rentieren. Warum tun sich aber große und kleine Unternehmen des Gesundheitswesens so schwer damit, es anderen Branchen gleich zu tun?

Sicher gelten für viele Gesundheitsberufe andere Gesetzmäßigkeiten als für Arbeiter in der Metallindustrie oder Angestellte im Handel. Aber das erklärt nicht, warum in Deutschland viele Tätigkeiten Ärzten vorbehalten sind, die in anderen Ländern eigenverantwortlich von Krankenschwestern, Physiotherapeuten oder anderen Gesundheitsberufen erbracht werden können. Es ist auch schwer nachvollziehbar, warum es an Anerkennung und Respekt für etliche Berufsgruppen im Gesundheitswesen immer noch fehlt.

Trotz Mindestlohns kann von einer fairen Bezahlung nur selten die Rede sein. Lohndumping und Arbeitsverdichtung gehen oft Hand in Hand. Mächtige Ärzteorganisationen haben sich erfolgreich gegen solche Zustände gewehrt, andere Gesundheitsberufe tun sich schwerer. Ihnen fehlt es oft an organisatorischer Geschlossenheit und klarer professioneller Identität.

Vor allem aber fehlt es vielen Führungskräften – vom Inhaber einer Arztpraxis bis zum Personalvorstand eines Gesundheitskonzerns – an Bewusstsein und an Verantwortung für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Gesundheit ist Führungssache, die nicht allein im Vertrauen auf intrinsische Motivation der Beschäftigten und einem Hang zur Selbstausbeutung liegen kann.

Gesundheit ist kein Kosten-, sondern ein Produktivitätsfaktor. An herausragenden Beispielen für vorbildliche Verhältnisse in Betrieben fehlt es nicht, an der flächendeckenden Nachahmung schon.

Die Organisationen im Gesundheitswesen sind in der Pflicht, das Präventionsgesetz auch in den eigenen Häusern umzusetzen, damit es heißen kann: Für Ihre und unsere Gesundheit machen wir uns stark!

Der Autor ist Vorstand des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit.

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