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Gesundheitspolitik Von den Dänen lernen

Ein Blick über die Grenzen des eigenen Gesundheitssystems lohnt sich. In Dänemark erregt ein Neubauprogramm für Kliniken Aufsehen.

07.09.2017 16:49

Unsere Nachbarn im Norden neigen selten zu einer Politik, die in unserem Land Schlagzeilen produziert. Das gilt auch für die Gesundheitspolitik. Aber Interesse finden die Staaten des skandinavischen Wohlfahrtsmodells immer wieder mit innovativen Programmen und produktiven Neuerungen. Das gilt speziell für Dänemark, das sich schon vor Jahrzehnten freiwillig für ein Primärarztmodell entschieden hat. Nun erregt das Land mit einem Klinik-Neubauprogramm internationales Aufsehen.

Das Besondere an diesem Programm zum Bau von 16 Super-Hospitälern ist nicht nur die Zentralisierung der stationären Versorgung in den fünf Regionen Dänemarks. Für jedes neu eröffnete Haus der Maximalversorgung werden zwei bis drei kleinere Hospitäler geschlossen. Damit sollen sowohl die Qualität der spezialisierten Versorgung verbessert als auch die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Mittel erhöht werden. Hierzu investiert die Regierung über Jahre Milliardenbeträge.

Bemerkenswert ist aber auch, dass unser nördlicher Nachbar den gesamten Planungsprozess über eine intensive Bürgerbeteiligung steuert. Von der Standortentscheidung bis zur Ausgestaltung der Krankenzimmer sprechen die Betroffenen ein entscheidendes Wort mit. Das gilt nicht nur für die Bürger in der Region, sondern auch für die Beschäftigten. Hier kann Deutschland viel vom Nachbarn lernen.

Das gilt im Übrigen auch für die Rolle der Pflegekräfte in der Gesundheitsversorgung. Die bilden das Rückgrat der kommunalen Infrastruktur und müssen sich – zumeist akademisch ausgebildet – nicht der ärztlichen Profession unterwerfen. Denn der demografische Wandel erfasst auch die sozial homogeneren Gesellschaften Skandinaviens. Die setzen zur Bewältigung neuer Herausforderungen stärker auf neue Technologien, selbst wenn es bisweilen zu Rückschlägen gekommen ist.

Ein Blick über die Grenzen des eigenen Gesundheitssystems lohnt sich. Dies gilt nicht nur für den Vergleich mit den großen „Tankern“ wie Frankreich, Großbritannien oder USA, sondern auch für die Beachtung kleinerer „Schnellboote“ wie Dänemark, Slowenien oder die baltischen Staaten. Hier treffen Kreativität und Pioniergeist auf den Pragmatismus von konsensorientierten Regierungen und selbstbewussten Bürgern. Go north!

Der Autor ist Sozialrechtler und Vorstand des BKK-Dachverbands.

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