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Gesundheitspolitik Gerechtigkeit und Teilhabe

Gesundheit kommt von unten.

19.05.2017 16:34

Gesundheit ist ein öffentliches Gut, dessen Verwirklichung politischen Handels bedarf. Was zu tun ist, um Krisen wie Ebola künftig zu vermeiden, darüber wird es auch auf der am Montag in Genf beginnenden Weltgesundheitsversammlung gehen.

Die staatliche Sorge um Gesundheit aber kann viele Beweggründe haben – gute wie schlechte. Sie kann dem universellen Menschenrecht auf Gesundheit verpflichtet sein und über Maßnahmen eines weltweiten Ausgleichs dafür sorgen, dass die gesellschaftlich bedingte Ungleichheit im Zugang zu Gesundheit reduziert wird. Sie kann aber auch nur den Schutz der jeweils eigenen Bevölkerungen im Auge haben und über gesundheitspolizeiliche Kontrollen und kurzfristiges Krisenmanagement dafür sorgen, dass die prekäre Lebensverhältnisse, die in vielen Teilen der Welt herrschen, nicht auf die wohlhabenden Regionen ausstrahlen.

Sie kann das Ziel eines möglichst langen, gesunden Lebens verfolgen oder nur den Interessen der Wirtschaft dienen, für die Gesundheit zu einem einträglichen Geschäft mit großen Zuwachsraten geworden ist. Schon jetzt spekulieren Versicherungsfirmen, Pharma- und die medizintechnische Industrie auf die Milliarden, die aus Steuermitteln bereitgestellt werden müssen, um allen Menschen jene Versorgung im Krankheitsfalle zu ermöglichen, die als Ziel in der Agenda 2030 festgeschrieben wurde.

Bei aller Notwendigkeit, Krankheiten zu bekämpfen, darf nicht übersehen werden, dass die gesundheitlichen Verbesserungen, die in den zurückliegenden Jahrzehnten, z.B. in Europa erzielt wurde, nur zu etwa einem Drittel auf eine verbesserte Krankenversorgung zurückzuführen sind. Bedeutender als kurative Versorgungsangebote sind gesellschaftliche Faktoren, wie der Zugang zu Einkommen, angemessene Wohnverhältnisse, würdige Arbeits- und intakte Umweltbedingungen, und nicht zuletzt Bildung und gute Ernährung.

Gesundheit erfordert mehr als Versorgungsysteme, sie gründet sich auf soziale Gerechtigkeit und zivilgesellschaftliche Teilhabe. Das ist die Lehre, die aus den Erfahrungen in der Bekämpfungen von Epidemien zu ziehen ist: Ohne die Beteiligung von Selbsthilfegruppen, Grassroot-Initiativen, kommunalen Selbstorganisationen, Kirchen und Wohlfahrtsorganisationen kann den großen gesundheitlichen Herausforderungen nicht begegnen werden.

 

Der Autor ist Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International.

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