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Gesundheitspolitik Die Mauer schleifen

Auf dem Land werden die Bürger in Deutschland ärztlich nicht immer gut versorgt. Es braucht dringend Gesundheitszentren. Die Gastwirtschaft.

11.05.2018 17:34

Das „Handelsblatt“ brachte am 29. März 2018 eine scheinbar seltsame Schlagzeile: „In Deutschland droht ein Ärztemangel – trotz Medizinerschwemme“. Das ist zwar in dieser Allgemeinheit Unsinn, aber dahinter steht ein reales Problem. In unserem Gesundheitswesen gibt es ein uneffektives Nebeneinander von Unter- und Überversorgung. Es gibt zu viele Krankenhausbetten und eine im Vergleich zu anderen europäischen Ländern luxuriöse Ausstattung mit teurer Diagnostik. Dem stehen empfindliche regionale Lücken in der haus- und fachärztlichen Grundversorgung gegenüber.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will diesem Problem mit finanziellen Anreizen für die Niederlassung in ländlichen Bereichen begegnen. Damit liegt er voll daneben. Weiß er wirklich nicht, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen seit vielen Jahren Zuschläge für Arztpraxen in unterversorgten Regionen zahlen können? Das Problem der meisten Landärzte ist nicht, dass sie zu wenig verdienen, sondern dass sie zu viele Patientinnen und Patienten versorgen müssen. Es ist mit der gegebenen starren institutionellen Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung auch nicht zu lösen. Diese Mauer muss geschleift werden.

In ländlichen Regionen können die aus der niedrigeren Bevölkerungsdichte entstehenden Probleme nur durch den Aufbau regionaler Gesundheitszentren bewältigt werden. Statt dort kleine Krankenhäuser mit medizinisch wie ökonomisch nicht zu verantwortenden niedrigen Fallzahlen künstlich am Leben zu halten, sollten sie zu integrierten Einrichtungen mit stationärer Erstbehandlung, fachärztlicher Grundversorgung, Hausarztpraxen und ambulanten Pflegediensten umgewandelt werden.

Die für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung politisch verantwortlichen Länder müssen endlich in die Hufe kommen und in solche Projekte gezielt investieren, anstatt die Fördermittel weiter nach dem Gießkannenprinzip auf die Krankenhäuser zu verteilen. Regionale Initiativen wie etwa das Gesundheitszentrum Meisenheim in Rheinland-Pfalz zeigen, wie es gehen kann. Es spricht nichts dagegen, dass auch der Bund solche Projekte fördert. Aber im Koalitionsvertrag von Union und SPD kann man dazu nichts Konkretes lesen.

Der Autor ist Ökonom und Publizist. Er war Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium und ist Autor des Buches „Geschichte der Gesundheitsreformen“.

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