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Gerechtigkeit Wann gibt es endlich den Mütterlohn?

Unverzichtbare Arbeiten werden in Deutschland immer noch schlecht oder gar nicht bezahlt - das geht vor allem zu Lasten der Frauen.

26.11.2018 12:04

Das bemerkenswerteste Statement von Angela Merkel in diesem Jahr wurde leider nicht als solches wahrgenommen. Bei ihrem Treffen mit dem Altenpfleger Ferdi Cebi im Juli sagte die Kanzlerin: „Wenn jemand jeden Tag mit Menschen arbeitet, warum soll der- oder diejenige nicht genauso viel verdienen, oder etwas mehr, als jemand der in einer Bank arbeitet oder der an einer Maschine arbeitet? Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen.“

Dabei geht es um die Aufwertung der sogenannten Sahge-Berufe: soziale Arbeit, haushaltsnahe Dienstleistungen, Gesundheit/Pflege und Erziehung. In diesen Berufen wird gesellschaftlich notwendige und wertvolle Arbeit geleistet, ohne eine angemessene Vergütung – und dies zumeist von Frauen. Während andererseits in vielen anderen Berufen die Bezahlung den fehlenden Sinn kompensieren muss.

Das Problem der ungerechten Bewertung beschränkt sich keineswegs nur auf die Erwerbsarbeit, sondern umfasst auch Familie und Ehrenamt. Würden nicht in einem wahrhaft reichen Land unverzichtbare Arbeiten gut bezahlt? Stattdessen sind wir darauf angewiesen, dass Grundlegendes „umsonst“ geleistet wird, sonst würde unsere Gesellschaft noch weiter verkümmern und verarmen. Unglaublich, dass unsere „Wirtschaftsweisen“ schon eine kleine Anpassung der Mütterrente als „demografieblinde rentenpolitische Maßnahme“ kritisieren. Wir brauchen nicht nur eine Erhöhung der Mütterrente, sondern endlich einen Mütterlohn!

Wahre Wirtschaftsweise fordern keine „Normalisierung“ der Geldpolitik zurück zu höheren Zinsen. Damit die wichtigen Tätigkeiten – von Frauen und Männern! – endlich angemessen vergütet werden, müssen Geldströme aktiviert und umgelenkt werden. Die Aussicht auf Zinsen oder Profit darf nicht mehr Voraussetzung dafür sein, dass das Geld fließt. Durch die Niedrigzinssituation sind wir diesem wünschenswerten Zustand schon etwas nähergekommen. Sinken die Zinsen noch weiter, können endlich Sorge und Pflege finanziell aufgewertet werden. Vor allem Frauen sollten daher für die Fortsetzung der Negativzinspolitik sein.

Die Herausforderung dieses Jahrhunderts liegt darin, den Sinn der Arbeit und das Geschlechterverhältnis in die ökonomischen Betrachtungen mit einzubeziehen. Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen.

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO).

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