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Geldsystem Banken von gestern

Ein modernes und ehrliches Finanzsystem muss her. Mit Bargeld und zahlreichen bargeldlose Alternativen, nicht nur ein paar Geldautomaten.

16.05.2018 16:49

Vor zehn Jahren wurden einzelne deutsche Banken als derart systemrelevant eingestuft, dass sie mit höchstem Tempo und finanziellem Aufwand gerettet wurden. Heute ist klar, die Bankenrettung hat weite Teile der notwendigen Marktbereinigung verschleppt. Dabei ist die Marktbereinigung ja selbst Marktgläubigen so wichtig.

Was wurde damals gerettet? Ein Finanzsystem mit begrenzter Zukunftsfähigkeit. Über viele Jahre waren im Bankensektor Personalabbau und Filialschließungen an der Tagesordnung. Das Bankensystem war auch ohne Finanzkrise an die Grenzen des Geschäftsmodells „Ersparnisse verwalten und Kredite ermöglichen“ geraten. Genau genommen hoffte die Politik, mit der Bankenrettung das Zahlungssystems zu retten.

Das Geldsystem ist Teil unserer Infrastruktur. Die Bargeldversorgung wird staatlich bereitgestellt und ist die Grundlage der Zahlung. Das ist Lehrbuchwissen. Alltagswissen sieht anders aus. Schon Jahre vor der Finanzkrise war zu erkennen, dass sich das Zahlungssystem vom traditionellen Geld- und Bankensystem immer stärker entkoppelt. Kreditkarten waren und sind in vielen Geldbörsen zu finden. Tendenz steigend.

Mit der Blockchain-Technologie werden auch internationale Transaktionen erleichtert. Grenzüberschreitende Zahlungen waren immer die Schwachstelle der nationalen Finanzsysteme. Vorreiter auf diesem Geschäftsfeld sind aber nicht die Banken, sondern andere. Daher erleben wir eine starke Umwälzung im Finanzsektor: eine relativ stille Revolution.

Das klassische Bankgeschäft hat mit der Kreditkartenwirtschaft wenig zu tun. Tatsächlich ist klar, dass die bisherigen Geschäftsmodelle der Banken nicht nur durch die Digitalisierungseffekte infrage gestellt werden. Ehrlichkeit und Transparenz müssen her. Mit Steuergeldern wurde das Bankwesen von gestern gerettet. Die Kosten fallen im Heute und Morgen an. Die Steuerzahler, die den Banken beisprangen, haben eine gute, moderne, leistungsfähige Zahlungsinfrastruktur verdient.

Ein modernes Finanzsystem bietet Bargeld und zahlreiche bargeldlose Alternativen, nicht nur ein paar Geldautomaten. Diejenigen im Finanzsektor, die sich das nicht vorstellen können, sollten eine Bildungsreise ins nahe Ausland unternehmen. Zukünftige Modelle liegen auf der Straße und scheinen bei anderen zu funktionieren.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

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