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Geldpolitik Von Schein und Sein

Was wirklich Geld ist und was nicht. Eins ist aber klar: Wären die Bankeinlagen tatsächlich Geld – wie selbst manche Ökonomen annehmen – wären wir längst in einer Super-Inflation untergegangen!

06.03.2015 09:47
Das ist echtes Geld. Aber wo hört Geld auf? Foto: dpa

Was ist wirklich Geld? Obwohl wir fast täglich damit umgehen, ist die Antwort nicht einfach! Rechtlich gesehen ist Geld alleine das von der Zentralbank in Umlauf gegebene Zahlungsmittel, also Banknoten und Münzen, plus jener Reserven, welche die Banken bei der Zentralbank halten müssen. Und dieses im Staatsauftrag herausgegebene Geld unterliegt in der Wirtschaft einem Annahmezwang: Wer Geschäfte macht, muss es als Zahlungsmittel akzeptieren und Fälschern drohen Gefängnisstrafen „nicht unter zwei Jahren“.

Heute werden jedoch häufig auch die durch Bargeld-Einzahlungen gebildeten Bankeinlagen als „Geld“ bezeichnet! Vor allem die Sichteinlagen, mit deren Überweisung sich Wirtschaftsteilnehmer Bargeldabhebungen und Wieder-Einzahlungen ersparen können. Doch in Wirklichkeit gibt man dabei nur einen täglich einlösbaren Anspruch auf Geld weiter, mit dem der Guthabenbestand des Zahlers im gleichen Umfang abnimmt, wie der des Empfängers steigt! Gleichgültig in welchem Umfang das geschieht: An der benutzten Geldmenge aus Scheinen und Münzen verändert sich nichts.

Eventuelle Bargeld-Überschüsse in den Kassen der Bank werden zur Kostenersparnis umgehend bei der Zentralbank eingezahlt.

Dass die Banken die bei ihnen ruhenden Bargeld-Ansprüche ihrer Kunden zwischenzeitlich an Dritte weiterverleihen und damit den Geldkreislauf geschlossen halten, dient der gesamten Wirtschaft. Eine Vermehrung ist mit diesen wiederholbaren Ausleihungen also genau so wenig verbunden, wie bei den wiederholbaren Ausleihungen von Büchern oder anderen Gütern! Was sich vermehrt, ist nur die Häufigkeit der Nutzung!

Der Unterschied zwischen Geld und Guthaben/Kreditvergaben zeigt sich auch an den langfristigen Entwicklungen. So blieb die Bargeldmenge von 1950 bis 2010 – schwankend zwischen sechs und acht Prozent der Wirtschaftsleistung – weitgehend konstant. Die Sichteinlagen – das so genannte „Giralgeld“ – nahmen dagegen in der gleichen Zeit von etwa neun auf 37 Prozent des BIP auf das Dreifache und die gesamten Bankeinlagen sogar von rund 40 auf 280 Prozent und damit um das Siebenfache zu! Wären diese Guthaben-Bestände tatsächlich Geld – wie selbst manche Ökonomen annehmen – wären wir längst in einer Super-Inflation untergegangen!

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