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Geld Raus aus den Tresoren!

Bargeld muss ein öffentliches Gut werden

Jetzt ist es offiziell: Am 4. Mai gab die Europäische Zentralbank bekannt, die Ausgabe der 500-Euro-Note gegen Ende 2018 einzustellen. Produziert wurde sie schon seit 2014 nicht mehr, es lagern jedoch noch große Vorräte in den Notenbanken. Seit Bestehen des Euro wurden 965 Millionen 500er gedruckt, von denen bis dato knapp 600 Millionen Scheine im Wert von 297 Milliarden Euro im Umlauf sein sollen. Allein die Tatsache, dass kaum ein Normalbürger lila Scheine in seinem Portemonnaie hat, zeigt schon, wie weit es mit dem Umlauf tatsächlich her ist. Der 500er ist der klassische Schein zum Horten, aber bei weitem nicht der einzige. Man muss sich ernsthaft fragen, in welchen Kanälen ein Drittel unserer gesamten „zirkulierenden“ Geldmenge stecken geblieben ist.

Zu verantworten hat dies eine Geldpolitik, die Bargeld zur Wertaufbewahrung erlaubt, statt unsere Zahlungsmittel endlich als öffentliches Gut zu begreifen. Als öffentliches Gut müssen sie allen Bürgern zur Nutzung zugänglich sein und dürfen nicht längerfristig in privaten Tresoren eingeschlossen werden. Unser Geld ist zur wichtigsten Infrastruktur unserer Gesellschaft geworden, heute hängt unser Überleben davon ab. Trotzdem lassen wir es zu, dass das, was öffentlich zu sein hat, nicht nur privat genutzt, sondern auch der Öffentlichkeit durch Privatisierung entzogen wird. Es fehlt uns dann natürlich – und sein Ersatz kommt die Gesellschaft teuer zu stehen.

Dies scheint selbst die Mehrheit der EZB-Entscheider noch nicht wirklich verstanden zu haben. Alle 500er sollen auf Dauer gesetzliches Zahlungsmittel bleiben und somit – Originalton EZB – „weiter als Zahlungsmittel und Wertspeicher verwendet werden“. Unser gesamtes Wirtschaften leidet unter dieser widersprüchlichen Zwitternatur des Geldes.

Während viele das Bargeld in den letzten Jahrzehnten gar nicht mehr so ernst genommen haben, weil es von der Giralgeldmenge bei weitem überflügelt wird, zeigt sich nun: Bargeld ist der Joker im System! Die Überlegenheit dieses Jokers kann unsere Währung zerrütten. Die Geldpolitik stößt heute genau deshalb an ihre Grenzen, weil Bargeldhortung mit keinen oder mit zu geringen Kosten verknüpft ist. Dies gilt es zu überwinden – und zwar durch ein einfaches marktwirtschaftliches Prinzip: Wer den Nutzen hat, muss auch die Kosten tragen!

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