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Gastwirtschaft zur AfD Schrei nach Aufbruch

Auch in Deutschland gibt es analog zu den amerikanischen „flyover states“ Regionen, die von Politikern und Medien vernachlässigt werden. Dort haben die deutschen Trumps Hochkonjunktur.

25.11.2016 23:36
AfD-Plakat in Mannheim - hier hat die AfD bei der letzten Landtagswahl ein Direktmandat geholt. Foto: Frankfurter Rundschau

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Wahl hauptsächlich in den Staaten gewonnen, die gelegentlich wenig feinfühlig „flyover states“ genannt werden. Auch in Deutschland gibt es Regionen, über die das politische Berlin, die Lobbyisten und die sogenannten Leitmedien eher hinwegfliegen, als sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Zu diesen deutschen flyover states gehören unter anderem das nördliche Ruhrgebiet, Teile Sachsen- Anhalts und Brandenburgs, der Bayrische Wald, Bremerhaven und die beiden ärmsten Städte im reichen Baden-Württemberg, Pforzheim und Mannheim.

Dort haben die deutschen Trumps Hochkonjunktur. So hat in Pforzheim und Mannheim bei der letzten Landtagswahl die AfD jeweils das Direktmandat gewonnen. Wer die deutschen Trumps wählt, gilt bei den „Eliten“ als zum politischen Kompromiss unfähige, tumbe Dumpfbacke – damit schließt sich der Kreis. Warum soll man sich mit Menschen beschäftigen, die auf „Populisten“ reinfallen, nach dem Motto: Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihren Metzger selber?

Warum immer mehr wirtschaftlich und gesellschaftlich Abgehängte und die von Abhängung Bedrohten rechts wählen, lässt sich nicht einfach beantworten. Die Antwort auf die Frage, warum sie die „Altparteien“ nicht (mehr) wählen, liegt jedoch auf der Hand, gehen diese doch seit Jahrzehnten in verschiedenen Regierungskonstellationen über die Interessen und Ängste des unteren Drittels der Gesellschaft mitleidlos hinweg.

Die Arbeitnehmerschaft ist gespalten in gut bezahlte, unbefristet Vollzeitbeschäftigte und einen großen Rest von prekär Beschäftigten. Die Arbeitslosenversicherung sichert Arbeitslose so schlecht ab, dass Deutschland das Land in der EU ist, in dem Arbeitslose das mit Abstand höchste Armutsrisiko haben.

Die Grundsicherung heißt nur ihrem Namen nach so und liegt weit unter dem menschenwürdigen Existenzminimum und dank der Rentenreformen sinken die Altersbezüge immer weiter ab. Millionen von Menschen in den deutschen flyover states – und nicht nur dort – führen ein erbärmliches und oft hoffnungsloses Leben, während Millionen von Menschen am oberen Ende der Einkommensskala immer reicher werden. Diese Situation schreit geradezu nach einem arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Aufbruch. Noch ist dafür Zeit. Aber wir wissen nicht, wie lange noch.

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