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GASTWIRTSCHAFT Wie Konzerne ihr Image aufpolieren

Mit der Nähe zu den UN geben sich Unternehmen gern den Anschein von besonders verantwortungsbewusstem Handeln. Doch dahinter stecken meist windelweiche und gehaltlose Versprechungen.

25.01.2018 16:49

Bluewashing bezeichnet in Anlehnung an Greenwashing den Versuch von Konzernen, sich mit der Nähe zu den Vereinten Nationen den Anschein von besonders verantwortungsbewusstem Handeln zu geben.

Als Türöffner für die Konzerne erwies sich insbesondere der damalige Generalsekretär Kofi Annan. Er rief 1999 den Global Compact ins Leben, die heute mit knapp 10 000 beteiligten Firmen größte Initiative für „verantwortungsvolle Unternehmensführung“.

Kritik am Global Compact gibt es von Beginn an, da dort alles auf freiwilliger Selbstkontrolle und windelweichen Jahresberichten basiert. Dass solche Initiativen dann kaum mehr als PR für Konzerne sind, zeigt auch die 2005 – ebenfalls unter Mithilfe von Kofi Annan – ins Leben gerufene Initiative zu Prinzipien für Verantwortungsvolle Investitionen (PRI).

Werfen kritische NGOs Finanzinvestoren in Deutschland eine Beteiligung an Menschenrechtsverstößen vor, werden die PRI ins Feld geführt: „Wir haben die Einhaltung der United Nations Principles for Responsible Investment zur Bedingung gemacht“ – so eine typische Antwort. Was das konkret bedeutet, bleibt unklar.

Die sechs Prinzipien sind nichts anderes als Absichtserklärungen. Sie sind gespickt mit Formulierungen wie „Wir streben an“, „Wir werden aktiv zu sozialen Themen arbeiten“ oder „Wir werden für diese Prinzipien werben“. Die suggerierten roten Linien, die beispielsweise Menschenrechtsverstöße ausschließen, gibt es nicht. Um es runter zu brechen: Der Vorwurf konkreter Vertreibung von Menschen wird damit gekontert, dass man allgemein zu solchen Themen arbeitet.

Die teilweise öffentlichen Berichte zu den Prinzipien sind gehaltlos, was konkrete im Raum stehende Menschenrechtsverstöße des Investors angeht. Dafür macht sich schon die Unterstützung einer Konferenz gut im Bericht.

Da die PRI letztendlich eine private Initiative der Finanzwelt sind, aber die Nähe zu den UN so wichtig für ihre Legitimität ist, werden sie „UN-Prinzipien“, „UN-unterstützt“ oder „UN-befürwortet“ genannt. Neben dem ähnlichen Logo hat auch die Webadresse den Namen UNPRI. Schöne blaue Welt!

Der Autor ist Experte für Landwirtschaft, Landkonflikte und Agrarhandel des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (Fian).

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