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GASTWIRTSCHAFT Wer versteht, gewinnt!

Nachdenken über Leben, Beziehungen und Märkte. Die Gastwirtschaft.

20.10.2017 16:04
Speakers Exellence 7. Stuttgarter Wissensforum in der Porsche Arena, Stuttgart Foto: Wolfgang List

Was ist Menschen in Ihrem Umfeld wichtiger? Andere zu verstehen oder von anderen verstanden zu werden? Die Antwort liegt auf der Hand: Der Mitarbeiter will vom Chef verstanden werden – und umgekehrt. Die Frau vom Mann, der Mann von der Frau. Das Volk von den Politikern und Politiker vom Volk.

Woher kommt dieser übermächtige Wunsch, verstanden werden zu wollen? Klar ist, wir wollen bestätigt werden als das, was wir sind. Sofort. Weil es uns an Bestätigung und damit an Selbstwert fehlt – weil wir tief in uns des Wertes unsicher sind, den wir uns selbst geben. Wir wollen schon jetzt jemand sein, statt erst jemand zu werden. Wir haben längst ausgelernt. Selbstbestätigung schlägt Lernbestrebung.

„Höher, schneller, weiter“, lautet das Mantra der mentalen Sklaventreiber. Deswegen nehmen Tempo und Komplexität permanent zu und zerren an unseren Nerven, Beziehungen und unserer Gesundheit. Wir haben „keine Zeit“, sind „schwer beschäftigt“ und wollen uns „durchsetzen“. Mit anderen Worten: Wir wollen von anderen gesehen, wahrgenommen und verstanden werden. „Flexibler, klarer, tiefer“, heißt das Alternativkonzept. Darin geht es um Reduktion und Substanz. Dafür müssen wir regelmäßig auf Distanz zu uns gehen. Tief nachdenken und verstehen lernen. Uns selbst und andere verstehen. Beziehungen, Unternehmen und Märkte. Die Familie und das Leben verstehen.

Doch beim Verstehen-lernen gibt es einen mentalen Bremsklotz. Wir wollen nur so lange verstehen und aufnehmen, solange wir selbst einverstanden sind. Schon wieder schlägt unbewusst die Bestätigungsfalle zu. Das ist der Knackpunkt. Wenn wir lernen, zu verstehen, ohne einverstanden sein zu müssen, können wir uns um andere Sichtweisen erweitern. Wir wachsen. Sehen über unseren Tellerrand hinaus. Diese Sichtweisen können wir dann neu durchdenken und damit unseren eigenen Überzeugungen folgen. Deshalb ist Verstehen der Erfolgsfaktor der Zukunft. Wer tief versteht, sieht klarer. Er erkennt, um was es im Kern geht und trifft die besten Entscheidungen. Der Philosoph Karl Jaspers hat gesagt: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.“ Will ich diese Heimat erreichen, sollte ich zuhören lernen, aufnehmen, reflektieren und verstehen. Zum eigenen Wohl und dem der anderen.

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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