Lade Inhalte...

GASTWIRTSCHAFT Visionen statt Groko!

Nur wenn unterschiedliche Akteure sich endlich zusammenfinden, kann eine sozial- ökologische Transformation gelingen

14.03.2018 16:49

Wir brauchen eine positive Vision linker Politik. Das zeigen sowohl der wenig zukunftsweisende Koalitionsvertrag der Groko als auch der europaweit erstarkende Rechtspopulismus – sichtbar zuletzt an dem Wahlsieg der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien. Beides macht deutlich: Aktuell fehlt uns eine überzeugende Vision, wie wir unsere Gesellschaften so organisieren können, dass sie einen tragfähigen ökologischen Fußabdruck haben und allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen. Wie wird ein solches gutes Leben für alle vorstellbar, greifbar und erreichbar?

Erik Olin Wright, ein Popstar unter den US-Soziologen, schlägt in seinem Buch „Reale Utopien – Wege aus dem Kapitalismus“ vor, in den „Räumen und Rissen innerhalb kapitalistischer Wirtschaften emanzipatorische Alternativen [aufzubauen] und zugleich um die Verteidigung und Ausweitung dieser Räume“ zu kämpfen. Anstatt den Kapitalismus von oben durch Reformen zu zähmen oder von unten durch Revolution zu zerschlagen, sollte er erodiert werden.

Eben diese Alternativen werden in Deutschland – und vielen anderen Ländern – schon heute aufgebaut. Bislang aber werden sie nicht zu einer gemeinsamen Transformationsvorstellung zusammengefügt: Urbane Gärten, Foodcoops und Initiativen für Ernährungssouveränität politisieren Menschen über Essen, denken Nahrungsmittelverteilung in Städten neu und etablieren Netzwerke jenseits des Marktes. Repaircafés, Umsonstläden und Kiezräume geben kostenlosen Zugang zu Infrastruktur, Dingen des täglichen Lebens und sozialen Räumen. Energiegenossenschaften, Stadtwerke und Klima-Aktivistinnen engagieren sich für ein demokratisches, dezentrales und erneuerbares Energiesystem und setzen es in der Praxis um. Menschen überlegen in Gruppen für Gemeinwohlökonomie, Transition Towns und Postwachstum, wie eine Ökonomie jenseits von Konkurrenz, Profitlogik und Wachtumszwang aussehen könnte.

Noch sind diese Alternativen meist weit weg von den täglichen Sorgen vieler sowie von Gewerkschaften und Parteipolitik. Damit wir den Kampf um gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen, müssen wir die verschiedenen Ansätze und Akteure zusammenbringen und gemeinsam starke Visionen entwickeln.

Die Autorin arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von www.degrowth.de.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen