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GASTWIRTSCHAFT Persönlich ist immer besser

So manch einer denkt: Es reicht im Berufsleben, nur über soziale Medien zu kommunizieren. Das ist Unsinn.

03.08.2018 10:49

Was kaum noch jemand für möglich hielt, wurde wahr: Die USA und die EU wollen ihren Handelsstreit beilegen. Mehr noch: Donald Trump sprach nach seinem Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker von einer neuen Phase enger Freundschaft und starker Handelsbeziehungen. Zölle, Handelsbeschränkungen und Subventionen sollen abgeschafft werden. Es scheint, als habe die Erkenntnis gesiegt, dass direkte Kooperation hilfreicher ist als indirekte Kriegserklärungen. Eine Sternstunde der Diplomatie.

Auch wenn der neu entdeckte Teamgeist zwischen den USA und der EU Sachzwängen geschuldet sein mag, so zeigt die Wende im Zollstreit eines deutlich: Das persönliche Gespräch, Auge in Auge, öffnet mitunter Türen, die als hermetisch verriegelt galten. Öffentliche Statements und Twitter-Posts verlieren an Bedeutung, wenn der direkte Austausch für gegenseitiges Verständnis sorgt. Diplomaten wissen seit jeher, dass regelmäßige Treffen einen fruchtbaren Boden für spätere Verhandlungen bereiten, lange bevor Konflikte geklärt werden müssen. Persönliche Kontakte sind das wertvollste Kapital jedes Diplomaten.

In Unternehmen spielen direkte Begegnungen eine ähnlich große Rolle. Ob im Außendienst, bei Preisverhandlungen oder internen Meetings, bei Strategietagen oder dem Besuch von Niederlassungen – es gibt zahlreiche Anlässe für persönliche Treffen. Doch anders als in der Diplomatie wird die Notwendigkeit persönlicher Kommunikation hier zunehmend in Frage gestellt.

Haben wir uns nicht bald digital so umfassend vernetzt, dass sich ohnehin alle mit allen ständig austauschen? Sind Vertreterreisen quer durchs Land und erst recht Vier-Augen-Gespräche am anderen Ende der Welt nicht von gestern? Schließlich erlauben die neuen Technologien, so gut wie alles online zu erledigen.

Dabei wird eines unterschätzt: der Faktor Mensch. Vertrauen und Teamgeist entstehen durch Nähe, nicht durch Messages. Wer in der Sache wirklich weiterkommen will, muss den anderen als Menschen kennenlernen. Es braucht die persönliche Begegnung, um sein Gegenüber einschätzen zu können. Um offen „off the record“ zu reden. Um Zwischentöne zu hören. Um Bedürfnisse wahrzunehmen. Um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Dann lässt sich vielleicht sogar so etwas wie Teamgeist heraufbeschwören.

Die Autorin ist Keynote Speaker, Kommunikationsberaterin und Coach.

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