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GASTWIRTSCHAFT Mit dem Status spielen

Wir müssen erkennen, wann und wie wir äußere Bestätigung anstreben.

22.08.2017 16:04

Was passiert, wenn wir andere nach ihren Statussymbolen fragen? „Sowas habe ich nicht nötig! Da stehe ich drüber!“ Denn Statussymbole haben immer nur die weniger Souveränen und weniger Schlauen, die Verlierer. Natürlich! Interessant daran ist, dass dieses „Darüberstehen“ bereits ein Statussymbol ist – ein sehr modernes, weil es ein immaterielles ist. Interessant auch, dass diese Zeichen heute eher ideell als materiell sind.

Unsere Statussymbole werden durch die soziale Gruppe definiert, die uns Anerkennung für die Einhaltung ihrer Regeln schenkt. So bekommen wir Anerkennung, wenn wir Stoffwindeln von Hand waschen statt Wegwerfwindeln zu kaufen. Zur Schau gestelltes Umweltbewusstsein ist immateriell. Das Gleiche gilt, wenn wir für die Kinder Afrikas kämpfen, um damit Eigen-PR zu machen oder wenn wir am Galaabend demonstrativ in Jeans auflaufen. Beispiele für immateriellen Status sind: Bescheidenheit, Souveränität, Disziplin, Freiheit, soziale Verantwortung, wichtige Kontakte, tolle Kinder, elitäre Sprache und ein kosmopolitischer Anstrich.

Das Gefährliche an diesen Symbolen ist, dass sie uns manipulierbar machen, wenn wir sie nicht klar vor Augen haben. So können wir wahrhaft bescheiden sein oder Lob dafür einfordern. Wir können Gutes im Stillen tun oder mit Großzügigkeit angeben. Wir können Disziplin leben oder die Härte gegen uns selbst herausposaunen. Unsere unbewussten Statusknöpfe kann jeder drücken, bis wir tun, was wir sonst nicht tun würden. Nur im vollen Bewusstsein bemerken wir, wenn jemand oder eine Gruppe uns durch Status-Stimulation vor den Karren spannen will.

Und das betrifft nicht nur den Mann von der Straße: Martin Winterkorn wollte der größte Autobauer der Welt sein, Donald Trump der „Dealmaker“, der informell die Welt regiert. Die Folge? Winterkorn hat VW in eine lebensgefährliche Krise geführt, Trump lässt sich blauäugig von Putin Staatsgeheimnisse entlocken.

Wir müssen erkennen, wann und wie wir äußere Bestätigung anstreben und wie wir zur Balance zwischen innen und außen gelangen. Das macht uns freier. Garantiert! Genießen wir einfach das Spiel mit den Symbolen und tun nicht so, als stünden wir darüber. Denn wer um das Spiel und seine Regeln weiß, mit dem kann nicht gespielt werden.

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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