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GASTWIRTSCHAFT Logik sozialer Systeme

Zur Aktualität von Niklas Luhmann. Die Gastwirtschaft.

05.12.2017 17:04

Fast 20 Jahre nach dem Tod des Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann wird weiter aus dessen Nachlass publiziert. In diesen Tagen ist es eine zweite, tausendseitige Version seiner Systemtheorie. Luhmann zufolge basiert die moderne Gesellschaft auf einer System-Umwelt-Differenz, sie ist funktional differenziert. Jedes soziale System bringt seine eigene Logik hervor, große Teilsysteme sind u. a. die Politik (regieren/nicht regieren) oder die Wirtschaft (zahlen/nicht zahlen).

Den Funktionen von Organisationen – wie bürokratische Gebilde in der Gesellschaft bestehen – widmen die Werke Luhmanns viel Beachtung. Neben Interaktionen und der Gesamtgesellschaft sind Organisationen ein bedeutsamer Systemtyp. Ihre prominenten Vertreter: Firmen und Behörden – sie definieren Zwecke, begründen Mitgliedschaften und bilden Hierarchien.

Gerade die Freiwilligkeit der (regelgebundenen) Mitgliedschaft macht das Verhältnis von Betrieben und Mitgliedern riskant und provoziert Enttäuschung. Beide Seiten begegnen einander mit vielen Erwartungen. Verstöße dagegen werden informell geduldet, übersehen oder führen in Konflikte. Anders als Arbeitsverträge insinuieren, ist die Mitarbeit in einem Betrieb stark von Ungewissheit geprägt.

Ein zentrales Thema sind auch Entscheidungen. Diese sind die Kommunikationen der Organisationen, das heißt die Elemente, nach denen Betriebe operieren. Entscheidungen, so Luhmann, liegen organisatorische Entscheidungsprämissen zugrunde. So gibt es buchstäblich „Vor“-Stellungen, welches Personal in Betracht kommt, wie zu kommunizieren und mit welchen Verfahren die Arbeit zu programmieren ist. Mit Folgen: Entscheidungen werden weder völlig frei gefällt, noch sind sie Resultate universeller Vernunft. Innerhalb eines diffusen Entscheidungsflusses orientieren sich die Entscheider an (einschränkenden) Erwartungen.

Luhmann-typisch ist trockener Theoriehumor: „Am liebsten kommunizieren Organisationen mit Organisationen, und sie behandeln Private dann oft so, als ob sie Organisationen oder anderenfalls: als ob sie Pflegefälle wären, die besonderer Hilfe und Belehrung bedürfen“.

An täglichen Beobachtungen, die diese Einordnung stützen, dürfte kein Mangel bestehen.

Am 8. Dezember würde Luhmann 90 Jahre alt werden.

Der Autor ist Organisationsforscher an der Universität Oldenburg.

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