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GASTWIRTSCHAFT Italien im Endspiel

Mit eigener Währung wäre das Land kaum besser dran. Denn das würde viel grundsätzlicher Probleme auch nicht lösen.

04.12.2018 16:49

Die Finanzmärkte sind hoch nervös. Wie wird es mit dem Euro weitergehen? Italien mit seiner rechtspopulistischen Regierung fordert die Gemeinschaft heraus. Italien setzt darauf, die Verschuldungsvorgaben der Gemeinschaft zu ignorieren. Das könnte der Anfang des Endes der Eurozone – wie wir sie kennen – sein. Nationalismus versus Gemeinschaft.

Zwanzig Jahre alt wird die Gemeinschaftswährung im nächsten Jahr. Italien war von Anfang an dabei; bei den Vorläuferorganisationen der Europäischen Union und bei der Eurozone. Man kennt sich also schon lange. Die letzten zehn Jahre der Gemeinschaft waren von Problemen und Zerrüttung geprägt. Erosionstendenzen lassen sich dabei nicht nur im Falle Italiens feststellen. Die Vorteile der Gemeinschaft kommen offenbar immer weniger bei der breiten Masse an. Da haben es Populisten leicht. Die Vermögenden dagegen wissen sehr wohl, dass sich diese Gemeinschaft lohnt. So fällt auf, dass der Euro als internationale Leitwährung keineswegs destabilisiert wurde und die Krisenjahre relativ gut überstanden hat.

Die Bürgerinnen und Bürger vieler Mitgliedsländer der Eurozone sind weit weniger glimpflich davon gekommen. So wurde im Zuge der Krisenjahre weiter kräftig von unten nach oben umverteilt. Das Vermögen der Superreichen ist immens gewachsen, während die Defizitorientierung der öffentlichen Haushalte die sozialstaatlichen Standards nach unten korrigiert. Das gilt auch für Italien, das in dem Gefüge wenig wettbewerbsfähig ist. Massive öffentliche und private Investitionen wären notwendig, um hier einen Ausweg zu finden. Das aber würde auch die staatliche Verschuldung in die Höhe treiben – es sei denn die EU springt ein.

Nationalismus dagegen erhöht weder Produktivität noch Wettbewerbsfähigkeit. Mit einer eigenen Währung wären die Probleme weder in Italien noch anderswo verschwunden. Die gesamtwirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich aus dem Abwertungspotential einer nationalen Währung ergeben, werden massiv überschätzt. Vielmehr wäre mit einer weiteren Verelendungsspirale zu rechnen. Die Vermögenden dagegen werden immer in der Lage sein, ihre Kapitalanlagen – in welcher Währung auch immer – zu retten. Die Finanzmärkte bleiben nervös.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen

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