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GASTWIRTSCHAFT Hypnotisierte Republik

Zukunftsfähigkeit dekliniert sich nicht mehr in den Kategorien „links oder rechts“. Sie verlangt nach einer neuen, naturverstehenden Gesellschaftsordnung.

05.09.2017 16:04

Dass zwölf Jahre Merkel die Deutschen Wähler nicht klüger gemacht haben, ist erstaunlich. Das Phänomen der asynchronen Demobilisierung scheint wirkungsmächtiger denn je. Wie hypnotisiert starrt ein vergreisendes Deutschland auf die laufenden Bilder und findet aus seiner Starre nicht heraus.

Deutschlands Regierungsparteien fahren uns und die Welt ungerührt und voll beschäftigt weiter an die Wand. Die Linke ist scheinbar unfähig diejenigen, deren Interessen sie vertreten wollen zu erreichen oder sich auf ein gemeinsames Programm zu einigen. Selbst schwarz-gelb ist inzwischen wahrscheinlicher als rot-grün. Der Markt soll es richten. Hauptsache Vollbeschäftigung. Allein die Grünen sind derzeit bereit und in der Lage über den kleinbürgerlichen Tellerrand aufs Wesentliche schauen.

Die wichtigste Anmerkung zum „Duell“ der Kanzlerkandidaten war die Erkenntnis, dass die wirklich existenziellen Fragen überhaupt nicht auf der Agenda standen: Klima- und Ressourcenschutz, die Auswüchse der Finanzmärkte und die wachsende Ungleichheit. Nichts ist gefährlicher als diese Utopie des Status Quo. Denn ob es uns gefällt oder nicht und ob wir es hören wollen oder nicht: Dieses Wirtschaftssystem und unsere Lebensweise sind so nicht zukunftsfähig.

Ohne einen grundlegenden Wandel und dramatische Kurskorrekturen in Richtung Ressourcenschonung, Naturschutz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist das Versprechen eines Landes in dem wir auch in Zukunft noch gut und gerne leben können, eine Illusion. Wir müssen verstehen, dass die Natur über uns Tag für Tag zu Gericht sitzt und dass sie ihr Urteil vollstrecken wird, ohne dass wir die Möglichkeit haben werden, in Revision zu gehen.

Zwei Branchen hat die Weigerung der deutschen Eliten sich diesen ökologischen Realitäten proaktiv zu stellen bereits in eine Sackgasse geführt: die Automobilbranche und die Energiekonzerne. Die Folgen der industriellen Landwirtschaft für die Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt sind gravierend – ein Verbrechen. Diese Blindheit gegenüber den ökologischen Fragen und Folgen wird uns alle noch teuer zu stehen kommen. Zukunftsfähigkeit dekliniert sich nicht mehr in den Kategorien „links oder rechts“. Sie verlangt nach einer neuen, naturverstehenden Gesellschaftsordnung.

Die Autorin ist Ökonomin und Philosophin.

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