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GASTWIRTSCHAFT Gründe, um zu bleiben

Sicherheit und ausreichend hohe Löhne, werden häufig vernachlässigt, wenn Politiker über die Steuerung von Arbeitsmigration reden.

06.09.2017 15:04
Charles Martin Shields

Viele europäische Politiker wenden sich auf der Suche nach einer Lösung für das Problem der „Fluchtursachen“ der wirtschaftlichen Entwicklung in Afrika zu. Die einfache Logik lautet: Potenziellen Migranten sollen in ihren Heimatländern eine bessere Existenzgrundlage und Perspektiven bekommen, damit sie die gefährliche Reise nach Europa gar nicht erst antreten.

So unterstützt etwa die Europäische Investitionsbank (EIB) mit einem 247 Millionen Euro schweren Finanzierungsprogramm vor allem kleinere und mittelgroße Unternehmen im Verarbeitenden Sektor in Äthiopien. Äthiopien ist nicht nur ein wichtiger ökonomischer Player in Ostafrika, es ist auch ein bedeutendes Transitland für Flüchtlinge und Migranten. Es geht bei dem Programm vorrangig darum, den Menschen eine dauerhafte Beschäftigung zu geben, damit sie nicht nach Europa migrieren. Dies klingt einleuchtend, doch es vereinfacht zu sehr die Gründe, warum Menschen ihrem Arbeitsplatz beziehungsweise ihrem Heimatland „treu bleiben“ oder es verlassen.

Jüngste Studien in Äthiopien zeigen, dass die Menschen selten länger als ein Jahr in Jobs des Fertigungsgewerbes beschäftigt bleiben, häufig nur lange genug, um so viel Geld anzusparen, dass ein Arbeitsplatzwechsel oder die Weiterreise finanziert werden kann. Gemäß Umfragen unter äthiopischen Arbeitnehmern verlassen Menschen formelle Beschäftigungen, weil die Jobs oft gefährlicher sind und die informelle Wirtschaft ebenso gute Bezahlung, sicherere Bedingungen und mehr Flexibilität bietet. Diese Flexibilität ermöglicht ihnen aber auch kurzfristig weiterzuziehen um andernorts eine neue Existenz zu gründen. Grundlegende Aspekte wie körperliche Sicherheit und ausreichend hohe Löhne, um sich ein Zuhause aufbauen zu können, werden häufig vernachlässigt, wenn Politiker über die Steuerung von Arbeitsmigration reden.

Um die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika zu unterstützen, die tragfähige Alternativen zur einer gefährlichen Migration nach Europa bietet, müssen Geberinstitutionen wie die EIB über die bloße Bereitstellung eines Jobs in einer Fertigungsstraße und eines Gehaltschecks hinausdenken. Sie müssen sich auch darauf konzentrieren, was einen Job gut genug macht, um zu bleiben.

Der Autor ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung „Governance, Staatlichkeit, Sicherheit“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.

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