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GASTWIRTSCHAFT Finger weg, Kopf hoch

Eltern sollten sich bewusst machen, wie sie ihr Smartphone nutzen und wie das auf ihre Kinder wirkt.

22.08.2018 16:49
Anna-Lena Hodenberg

Es sieht aus wie abstrakte Kunst: Menschen mit Klötzchen an den Händen. Falsch, sagt der kleine Junge, der seine Eltern so gemalt hat: Das sind die Handys – die sind an den Händen fest. Tja, soweit ist es schon. Der Kinderblick zeigt, welchen Stellenwert Smartphones heute haben: externe Gehirne, unverzichtbare künstliche Körperteile. Ein smartphonefreies Leben? Unrealistisch. Rund 57 Millionen Deutsche besitzen eines. Viel wichtiger ist, sich bewusst zu machen, wie wir es nutzen und wie das auf unsere Kinder wirkt.

Zum Beispiel beim Thema Aufmerksamkeit. Für eine starke Bindung brauchen Kinder sie – echt und ungeteilt. Die Aufmerksamkeit bekommt aber oft das Handy. Eben mal eine SMS schreiben oder telefonieren – machen wir das, während wir unser Kind von der Kita abholen oder es die Rutsche hochklettert, senden wir ein Signal: Eigentlich ist das Smartphone wichtiger als Du.

Oder beim Thema Fotos. Noch nie wurden Kinder so viel fotografiert und gefilmt wie heute, dem Smartphone sei Dank. Oft inszenieren wir unsere Kinder dabei - für das Bild, das dann später sofort im Netz geteilt wird. Dass Eltern Persönlichkeitsrechte ihres Kindes verletzen, wenn sie dabei personenbezogene Daten wie Kita oder Schule angeben, ist vielen nicht klar. Tipps zum Umgang mit solchen Fotos gibt zum Beispiel der Kinderschutzbund.

Laut einer aktuellen US-Studie sind Kinder von Eltern, die oft digitale Medien nutzen, verhaltensauffälliger, denn sie kämpfen um deren Aufmerksamkeit. Bewusste Nutzung ist also angesagt. Klingt einfach, ist aber ein Riesenschritt. Der Platz des Handys ist in der Tasche. Da sollte es den größten Teil des Tages sein. Und immer, wenn wir es rausnehmen, sollten wir überlegen, ob wir es jetzt wirklich brauchen. Müssen wir das, was wir gerade mit unserem Kind tun, wirklich für diese eine Mail unterbrechen? Wenn ja, dann sollte eine klare Ansage gemacht werden: „Ich bin jetzt zehn Minuten am Smartphone, und danach wieder ganz bei Dir.“ Dann konzentriert die Mails bearbeiten, fertig. Das Handy wandert wieder in die Tasche und der Blick zurück zum Kind.

Für größere Kinder lohnt sich ein gegenseitiger Vertrag. Wer darf wann wie viel am Smartphone sein? Das macht man aus, bevor eins gekauft wird. Und das Smartphone wird wieder mehr zu dem, was es ist: ein Gebrauchsgegenstand und kein Klötzchen oder fester Teil unserer Hände.

Anna-Lena von Hodenberg ist ist Campaignerin bei Campact.

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