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GASTWIRTSCHAFT Emotionales Weltbild

Wie lässt sich Frauenfeindlichkeit bei Ökonomen entgegnen?

31.08.2017 17:34

In der Volkswirtschaftslehre (VWL), wie sie an den meisten deutschen Universitäten gelehrt und erforscht wird, dominiert die Vorstellung, dass eine quantitative, auf Mathematik basierende Vorgehensweise zu bevorzugen ist. Das bedeutet unter anderem, dass empirische Ergebnisse nur berücksichtigt werden, wenn sie quantifizierbar sind.

Die Ökonomin Deirdre McCloskey nennt Mathe die Rhetorik der VWL. Mathematische Methoden sind die einzige Möglichkeit, überzeugen zu können. Diskriminierung von Frauen wird oft als nicht bewiesene Empfindlichkeit abgetan. Jetzt erscheint die Arbeit von Alice Wu, die mittels Wort- und Themenerkennung Einträge auf der vor allem von VWL-Doktoranden genutzten Internetplattform Economics Job Market Rumors Forum (EJMR) einer systematischen Analyse in Bezug auf Geschlecht unterzieht. Das Ergebnis? Die Diskussionen werden unprofessioneller, drehen sich um Persönlichkeit und Aussehen, wenn das Thema eines Eintrags eine Frau ist.

Weiter werden Männer mit ihrer Leistung bzw. mit kämpferischem Verhalten assoziiert (adviser, bully, fought). Frauen mit Sexualität bzw. ihren emanzipatorischen Ansprüchen (hot, lesbian, pregnant). Natürlich sind die Autoren auf EJMR nicht repräsentativ für alle Menschen in der VWL, aber die Studie zeigt deutlich eine Haltung auf, die Frauen in der VWL und ihre Alliierten allzu gut kennen.

Kann die hinter der Studie steckende Mathematik mehr Ökonomen zum Umdenken überzeugen? Zu groß sollte die Hoffnung nicht sein. Die vorherrschenden Haltungen gegenüber Frauen sind kein Ergebnis wissenschaftlicher Studien, sondern repräsentieren ein zutiefst emotionales Weltbild. Argumente, die dem entgegnen werden entsprechend schnell als Bedrohung wahrgenommen. Innerhalb des eigenen Weltbildes kommen mathematische Methoden vielleicht an, aber sobald Ergebnisse dieses bedrohen, fallen die Augen zu und die Ausreden beginnen. Das bedeutet, dass die Vertreter veralteter und herablassender Frauenbilder ihre Einstellungen höchstens hinterfragen, wenn Studien wie diese ihnen mit Entschiedenheit auf den Tisch geknallt und daraufhin ein längeres, anstrengendes Gespräch initiiert wird.

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung in Wien und ist Teil des feministisch-ökonomischen Schreibkollektivs Gesellschaft und Ökonomie.

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