Lade Inhalte...

GASTWIRTSCHAFT Die Clubs der Gewinner

Marktwirtschaften werden brutal, wenn ethisch-moralische Spielregeln keinen Marktwert haben.

31.07.2018 16:19

Wo sind wir gelandet? Niemals zuvor waren die nationalen Grenzen für Güter, Dienstleistungen und Kapital so leicht zu überwinden wie heute. Gleichzeitig werden in vielen Wohlstandsstaaten die Grenzkontrollen für Menschen verschärft.

Zollfreiheit, offene Grenzen für Güter und Kapital werden wieder als Garanten der Zukunft gefeiert. Eine neue Globalisierungswelle rollt. Handelsabkommen werden in der Sommerpause unterzeichnet. Das Freihandelsabkommen der EU mit Japan wird quasi als notwendige Antwort auf die US-amerikanische Zolldrohung interpretiert. In das Bild passt auch, dass wenig später Zollsenkungsankündigungen von USA und EU bejubelt werden. Längst geht es nicht mehr allein um Zölle auf Güter. Längst geht es auch um Dienstleistungen und um die wechselseitige Anerkennung von Standards – auch von Qualitätsstandards. Die heutigen Freihandelsabkommen sind umfassende Regelwerke, die immer noch von dem Grundgedanken ausgehen, dass eine weitere Vertiefung der internationalen Integration Wohlstand sichern und mehren kann.

Tatsächlich ist allen Unkenrufen zum Trotz der Wohlstand in vielen Ländern seit den 1990er gestiegen. Die Globalisierung und die Ausweitung der internationalen Arbeitsteilung stellen dabei jedoch ein einseitiges Set von Einflussfaktoren dar – Innovationen beispielsweise und anderes sind auch kräftig zu Buche geschlagen.

Das Ringen der großen Wirtschaftsräume um Zollfreiheit macht klar, dass sich komplexe Probleme besser in Kooperation als in Konkurrenz bewältigen lassen. Kooperation setzt auf Clubs und Gemeinschaften. Die Aufnahmebedingungen der Gewinnerclubs haben sich verschärft und sind starrer geworden - heute in eine schwierige ökonomische und soziale Situation hineingeboren, so hat das weitreichende Folge für das weitere Leben.

Dies gilt umso mehr, als weltweit Wohlstands- und Wirtschaftswachstum längst nicht bei allen Menschen zu besseren Lebensverhältnissen führen. Sozialer Aufstieg ist schwer; sozialer Abstieg geht immer.

Während wir uns daran gewöhnen, mit offenen Grenzen für Geld und Waren weiter unseren Wohlstand zu sichern, werden Menschen an diesen Grenzen abgewiesen. Marktwirtschaften werden brutal, wenn ethisch-moralische Spielregeln keinen Marktwert haben. Einkommen und Vermögen ersetzen kein Wertesystem.

Die Autorin ist Professorin
für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen