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Gastwirtschaft Das Leben an die erste Stelle!

Mit der Natur kann man nicht diskutieren. Und weil sie immer Recht behält, braucht sie auch endlich Rechte. Ich empfehle daher eine Sammlungsbewegung für vorsorgendes Wirtschaften.

20.08.2018 14:49

Wer noch nie aufgestanden ist, kann sich wieder hinsetzen. Aber die, denen die Füße vom langen Stehen schon wehtun, denen möchte ich empfehlen, die Ruhe zu bewahren und zu ergründen, ob „links“ und „rechts“ die Koordinaten sind, die uns heute wirklich weiterbringen. Es gibt soziale „Rechte“ und ausgesprochen unsoziale Linke. Man kann als Rechter heute gegen den Kapitalismus sein, aber für soziale Marktwirtschaft, gegen Globalisierung und für die Verteidigung von Grenzen. Und man kann als Sozialdemokrat und als Grüner neoliberale Politik machen und für die Globalisierung streiten. Man kann sogar als Linke die Rechte der „Arbeiterklasse“ verteidigen, indem man die Zuwanderung bekämpft, und für Europa sein.

So ausgehöhlt wie diese Begriffe heute sind, reichen sie nicht mehr als Ordnungsrahmen. Wir brauchen mehr als ein bisschen links, wir brauchen einen Paradigmen-Wechsel im Denken und Fühlen. In der Wirtschaftstheorie und in der Politik. Es gibt nichts Wahres im Falschen, sagte Theodor Adorno und Berthold Brecht merkte an: Die Bourgeoisie mag von ihrem Standpunkt aus gesehen Recht haben. Das Unrecht besteht in ihrem Standpunkt.

So gesehen müssen wir zwei Dinge vom Kopf auf die Füße stellen: Unsere Wirtschaftstheorie und unser Naturverhältnis. Beides hängt enge zusammen. Die Mainstream-Wirtschaftsökonmie versagt nicht, weil sie nicht keynesianisch genug ist, sondern weil sie die Produktivität der Natur und alle anderen reproduktiven und sorgenden Tätigkeiten wertlos erscheinen lässt und Kapital und Technik überbewertet.

Das alle kann nur anders werden, wenn wir aufhören, das Ziel und den Zweck des Wirtschaftens zu verwechseln. Geld und Wirtschaftswachstum sind ein Mittel, um die Bedürfnisse von Menschen zu befrieden, kein Zweck. Ein Markt, der keinen Ordnungsrahmen hat und die Gier anstelle des Gemeinwohls an die erste Stelle setzt, zerstört die eigenen Grundlagen. Nur wenn wir die Wirtschaft einbetten in einen Ordnungs- und Werte-Rahmen, der das Leben an die erste Stelle setzt, ist eine gute Zukunft möglich.

Das ist weder rechts noch links. Das ist zwingend erforderlich. Mit der Natur kann man nicht diskutieren. Und weil sie immer Recht behält, braucht sie auch endlich Rechte. Wir müssen neue denken. Ich empfehle daher eine Sammlungsbewegung für die Rechte der Natur und für vorsorgendes Wirtschaften.

 

Die Autorin ist Ökonomin und Philosophin.

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