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Gastwirtschaft CO2-Ausstoß ausgelagert

Klimaschutz auf Kosten der Schwellenländer

10.07.2015 16:12
Von Dominique Bruhn

Unser europäisches Konsumverhalten verstärkt Treibhausgasemissionen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dennoch werden im internationalen Handel enthaltene Emissionen in den Klimaverhandlungen nicht berücksichtigt.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, muss die Weltwirtschaft dekarbonisiert werden – dies wurde kürzlich auch von den G 7-Staaten beschlossen. Im Vorfeld der UN-Klimaverhandlungen im Dezember präsentiert sich insbesondere die EU als Musterknabe im Klimaschutz, hat sie doch ihre festgeschriebenen Emissionseinsparungen bisher vorbildlich erreicht. Aber kann man zu diesem Erfolg vorbehaltlos gratulieren?

Oft wird übersehen, dass viele Güter, die wir in Europa konsumieren, in ausländischen Fabriken produziert werden. Zwar ist die Produktion hierzulande zunehmend umweltfreundlich, stattdessen werden die klimaschädlichen Gase aber vermehrt in Schwellen- und Entwicklungsländern ausgestoßen – für uns. Emissionen außerhalb des eigenen Territoriums werden in die Klimaziele aber nicht mit einbezogen; sie werden nur am Ort der Entstehung erfasst.

Das Ausmaß dieses Versäumnisses ist groß: Etwa 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen sind in international gehandelten Gütern enthalten. Dabei gehört die EU, insbesondere Deutschland, zu den Top-Netto-Importeuren von CO2. Auf der anderen Seite der Gleichung steht China, größter Netto-Exporteur von CO2. Mit anderen Worten: Im Reich der Mitte werden viel mehr Emissionen in die Luft gepustet als für die Befriedigung der chinesischen Nachfrage nötig wäre.

Besonders paradox: Je ambitionierter die produktionsbasierten Klimaziele in Industrieländern, desto wahrscheinlicher, dass energieintensive Produktionsprozesse in Schwellen- und Entwicklungsländer mit laxeren Vorschriften ausgelagert werden. Global betrachtet besteht die Gefahr, dass Emissionen unterm Strich nicht eingespart, sondern nur transferiert werden – Klimaschutzwirkung gleich null.

Um die bisherigen (Miss-)Erfolge im Klimaschutz ehrlich und vollständig zu messen, ist es notwendig, auch die aus dem Konsum entstehenden Emissionen mit einzubeziehen. Wenn die Industrieländer ihre Verantwortung eingestehen und ihr Entgegenkommen zeigen, kann dies auch neuen Schwung in die Klimaverhandlungen bringen.

Die Autorin ist Expertin für Weltwirtschaft und Entwicklungsfinanzierung beim Deutsches Institut für Entwicklungspolitik.

 

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