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Gastwirtschaft Asoziale Unternehmen

Die Art, wie die Anleihenkäufe der EZB missbraucht werden, kann man nur als asozial bezeichnen, weil Kapital der Gesellschaft entzogen wird.

16.04.2018 18:34
EZB mit Strahlkraft
Der EZB-Turm in Frankfurt am Main (Symbolbild). Foto: dpa

Den Medien war zu entnehmen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen 17 Prozent aller in Europa zirkulierenden Unternehmensanleihen besitzt. In diesem Kontext ist interessant, wofür die mit den Anleihen generierten Mittel verwendet werden. Sind dies sinnvolle Investitionen, ist gegen die Aktionen der EZB sicherlich nichts einzuwenden. Wie in den Emissionsprospekten zu lesen ist, wird das aufgenommene Geld aber von börsennotierten Kapitalgesellschaften auch zum Rückkauf eigener Aktien verwendet.

Was ist die Motivation für einen solchen Rückkauf? Auch wenn hierzulande, im Gegensatz zu anderen Ländern, der Aktienkurs eine untergeordnete Rolle bei der Kompensation von Vorständen spielt, ist er doch ein Ausweis unternehmerischen Bravados und geht als ein Kriterium in die Beurteilung der Managementleistung ein. Vorstand eines Konzerns mit steigendem Kurs zu sein, hebt natürlich auch das Selbstwertgefühl.

Also begibt das Unternehmen eine Anleihe und beginnt dann, die eigenen Anteile zu erwerben. Der Hebel auf den Aktienkurs wirkt dabei in zweierlei Form. Im ersten Schritt erhöht sich durch die Rückkäufe die Nachfrage im Markt und in einem zweiten – nach der Vernichtung der akquirierten Aktien – verteilt sich der Gewinn auf weniger ausstehende Anteile, womit der Gewinn je Aktie, und damit der Kurs, steigt.

Erschwerend kommt hinzu, dass durch die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Schulden und Kapital – Zinsen sind steuerlich abzugsfähig – die Allgemeinheit in Form entgangener Steuern an diesem Unsinn beteiligt wird.

Wenn in einer idealen Welt Unternehmen erfolgreich „unternehmen“, hat das Vorteile für die Kapitaleigner in Form steigender Kurse, für Arbeitnehmer in Form von Arbeitsplätzen und Einkommen und für die Gesellschaft als Ganzes, der nützliche Produkte zur Verfügung gestellt werden. Beschränkt sich das „Unternehmen“ auf Spielereien wie Aktienrückkäufe, kursiert Kapital nur noch in einem geschlossenen Kreislauf, zu dem nur Kapitaleigner Zugang haben; es wird dem Rest der Gesellschaft entzogen.

Diese Art des Wirtschaftens kann man deshalb nur als asozial bezeichnen, da Umverteilung in Richtung des Kapitals begünstigt wird. Sollte man nicht erwarten, dass die EZB dieses Kriterium bei der Entscheidung über Anleihekäufe einbezieht?

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker und Protagonist der Doku „Master of the Universe“.

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