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Flüchtlingslager Mehr als nur ein Notstand

In vielen Flüchtlingslagern entstehen Handel und Arbeitsplätze. Das verbessert die Lebensbedingungen, braucht aber auch das richtige Umfeld. Unsere Gastwirtschaft.

24.07.2018 16:49

Während die Debatte über die Migrationsströme nach und Flüchtlingslager in der EU weitergeht, haben die International Finance Corporation (IFC) der Weltbank und der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge ihren Fokus auf die Integration von Flüchtlingslagern in nationale Ökonomien verschoben. Statt die Situation weiterhin ausschließlich als Notstand zu behandeln, wird die Rolle des Privatsektors bei der Schaffung wirtschaftlicher Möglichkeiten für Flüchtlinge in Lagern stärker fokussiert.

Viele Flüchtlingslager weltweit sind zu Städten geworden, in denen Handel und Arbeitsplätze entstehen. Die IFC und die UNO haben hierfür einen innovativen Ansatz entwickelt, der sich auf die Erfahrungen der Stadtplanung stützt. Wenn aber die internationale Politik die Rolle des Staates bei der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung vernachlässigt, wird sich das wirtschaftliche Versprechen des Privatsektors möglicherweise nicht erfüllen.

Ein kürzlich erschienener IFC-Bericht mit dem Titel „Kakuma als Marktplatz“ zeigt, wie viel Handel bereits im Lager und in der Stadt Kakuma – die in einer der ärmsten und isoliertesten Regionen Kenias liegt – stattfindet. Die Flüchtlinge und die Kenianer haben eigenständig Wege gefunden, sich selbst zu versorgen und eine lokale Wirtschaft aufzubauen. Um mehr Privatinvestitionen anzuziehen, wird aber die Verbesserung von Bildung und Infrastruktur entscheidend sein.

Noch fehlt es an einer klaren Strategie bezüglich der Rolle der nationalen Regierung bei der Unterstützung eines dynamischen Investitionsumfelds. Ohne eine verlässliche Regierung, die Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen gewährleistet, wird der Privatsektor vor Investitionen in einem schwierigen Umfeld wie Kakuma zurückschrecken.

Eine auf Stadtplanung und Investitionen basierende Strategie, die sich auf den Ausbau des Handels in Lagern konzentriert, kann die Chancen für Flüchtlinge erhöhen. Wie aber schafft man ein Umfeld, das Kapital auch in volatile Orte wie Flüchtlingslager lockt? Die Geber der EU und der Weltbank müssen erkennen, dass der Privatsektor nur dann zuverlässig helfen kann, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern, wenn er dabei vor Ort von einer starken nationalen Regierung unterstützt wird.

 

Der Autor ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprogramm „Transformationen politischer (Un-)Ordnung“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.

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