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Finanzkrise Arme Griechen

Bis zum Nimmerleinstag wird das Land im Schuldenturm gefangen bleiben. Die einzige dauerhafte Lösung wäre gewesen, die Verbindlichkeiten weitgehend zu streichen.

19.07.2018 16:49

Da wird von der herrschenden Politik behauptet, Griechenland sei gerettet. Auch der pseudo-linke Ministerpräsident Tsipras glaubt an diesen ökonomischen Unsinn. Richtig ist vielmehr: Die einzigen, die „gerettet“ wurden, sind die Gläubiger Griechenlands. 95 Prozent des griechischen „Rettungsgeldes“ in Höhe von 274 Milliarden Euro wurde direkt an die Gläubiger überwiesen. Das griechische Volk ging leer aus.

Im Gegenteil, die Kreditgeber haben mit dem Elend der Griechen noch Profit gemacht – Deutschland mit seinen griechischen Anleihen allein 2,9 Milliarden Euro. Ein weiteres von vielen Beispielen für eine „privilegierte Komplizenschaft“ (Adorno) von Politik und Vermögenden.

Über das griechische Volk wurde dagegen ab dem Jahr 2010 in Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise eine völlig kontraproduktive Austeritätspolitik verhängt und damit die Volkswirtschaft zu einer Elendsökonomie verurteilt. In der Zwischenzeit musste bereits das letzte öffentliche Tafelsilber an Private verkauft werden und die Regierung hat den öffentlichen Sektor um 26 Prozent verkleinert. Ganz im Sinne des neoliberalen EU-Geistes.

Das Einkommen der Griechen ging um ein Drittel zurück und die Arbeitslosenzahlen explodierten auf bis zu 28 Prozent. Und die Staatsverschuldung, die angeblich durch die neoliberale Politik zurückgeführt werden sollte? Sie ist mittlerweile mit 180 Prozent des BIP die mit Abstand höchste in der EU. Auf diesem Niveau wird sie auch zukünftig verharren.

Denn die jetzt Ende Juni beschlossene weitere Prolongierung der griechischen Verschuldung ist kein Akt der europäischen Solidarität. Sie wird Griechenland bis zum Nimmerleinstag im Schuldenturm gefangen halten und den Vermögenden ihre Forderungen sichern sowie den heute regierenden Politikern ein unbequemes Problem vom Hals schaffen. Denn morgen sind sie nicht mehr in der Verantwortung.

Die einzige richtige und dauerhafte Lösung für das griechische Volk wäre dagegen eine weitgehende Schuldenstreichung gewesen. Die Gläubigerländer, die in der Vergangenheit von Griechenland profitiert haben, könnten dies tatsächlich locker verkraften. Sie verzichten aber nicht auf das Versprechen einer Kredittilgung, die nach dem Schuldenforscher David Graeber die Menschen seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren unentwegt in die Sklaverei treibt.

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der
Westfälischen Hochschule.

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