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Entwicklungszusammenarbeit Kampf ums Wasser

Was El Niño in Afrika anrichtet

14.04.2016 08:27
Angeline Nguedjeu

Angesichts der Flüchtlingsfrage und der Terroranschläge spielt El Niño in der europäischen Öffentlichkeit bisher keinerlei Rolle. Das müsste sich jedoch ändern. Das diesjährige El-Niño-Phänomen gehört zu den drei heftigsten seit 1950. Die Veränderung der Meeresströmungen im Pazifik bringt das Wetter durcheinander – vor allem die Niederschlagsmengen. Besonders betroffen von Dürren und Fluten ist Afrika. Ernteausfälle und drohender Hunger sind die Folgen.

Im östlichen Afrika sind die Regenmengen schon seit Juni letzten Sommers unterdurchschnittlich, Äthiopien, Sudan, Dschibuti und Eritrea leiden unter Dürren. In Äthiopien ist es die schlimmste Trockenheit seit über 50 Jahren. In Darfur im Sudan ist es sehr wahrscheinlich, dass der Mangel an Wasser und Weideland Konflikte auslöst, die schon in vergangenen Jahren Ursache für Vertreibung und Not waren.

Im südlichen Afrika sind seit vergangenem Jahr 30 Millionen Menschen auf die Unterstützung mit Nahrungsmitteln angewiesen. Die Zahlen schnellen nach oben. Dazu kommt, dass eine halbe Milliarde Kinder in Regionen mit großem Überflutungsrisiko und 160 Millionen Menschen in Gebieten leben, die ein hohes Dürre-Risiko haben. Entspannung kann hier nur noch die Ernte von 2017 bringen, doch bis dahin wird sich die Lage im südlichen Afrika noch verschlimmern.

Bei allen schlechten Nachrichten sind viele der betroffenen Länder besser vorbereitet als in vergangenen Katastrophen. In Äthiopien, Kenia und Uganda etwa gibt es Katastrophenpläne und Krisenkonzepte. Natürlich brauchen auch Länder, die solche Pläne vorhalten und sich auf den Bedarf an Nahrungsmittelhilfen einstellen, Hilfe von außen. Doch in gewissem Rahmen hat die Entwicklungszusammenarbeit der vergangenen Jahre hier Früchte getragen. Die Regierungen haben sich des Themas angenommen. Sie überlassen diese Aufgabe nicht mehr allein den Hilfsorganisationen. Die El-Niño-Krise bietet zudem die Chance, auch repressive Regierungen wie in Somalia und Eritrea zur Kooperation zu bewegen.

Müssen die betroffenen Länder jedoch allein mit Dürren und Fluten fertig werden, wird das nicht nur Tausende Opfer fordern, sondern die ohnehin fragilen Gesellschaften weiter schwächen und sie ihrer Zukunftschancen berauben. Daher gilt: „forewarned is forearmed“ – vorgewarnt ist gewappnet.

 

Die Autorin ist Expertin für gewaltfreie Konfliktlösungen und arbeitet für die Nichtregierungsorganisation ICCO in Uganda.       

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