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Entwicklungspolitik Seit Jahren die gleichen Fehler

Seit Jahrzehnten sind 60 Prozent der Hungernden Frauen. An dieser Quote ändert sich nichts - weil immer wieder die gleichen Fehler gemacht werden.

04.12.2015 09:15
Von Gertrud Falk

Frauen sind überdurchschnittlich von Hunger betroffen. Gleichzeitig werden sie von Entwicklungsorganisationen als Schlüssel zur Hungerbekämpfung betrachtet. In entsprechenden Programmen darf die Frauen-Komponente inzwischen nicht mehr fehlen. Das klingt zwar gut, die Erfolge bleiben erstaunlicherweise aber aus. Seit Jahrzehnten hat sich nichts daran geändert, dass 60 Prozent der Hungernden weiblich sind. Seit Jahrzehnten ist auch die Zahl der Hungernden im Verhältnis zu den internationalen Bemühungen nicht wesentlich geringer geworden. Drei grundlegende Fehler werden zu oft wiederholt:

1. Geschlechterblindheit: Zu oft verfolgen  Programme nur rhetorische Ansätze zur Frauenförderung in ihren Zielformulierungen und allgemeinen Beschreibungen. Die konkreteren Pläne für die Umsetzung sind dagegen geschlechterblind und orientieren sich an männlichen Lebens- und Wirtschaftsweisen.

2. Instrumentalisierung: Frauen werden als Mittel zum Zweck für die Hungerbekämpfung gesehen, die in stärkerem Ausmaß als Männer an das gemeinschaftliche Wohl denken und Ressourcen für ihre Familien einsetzen.

3. Reduzierung auf Kostenverringerung: Frauenförderung wird schlicht als wirtschaftlichste Art der Hungerbekämpfung dargestellt – Hunger bekämpfen und dabei sparen.

Alle drei Konzepte spielen zusätzlich der Privatwirtschaft in die Hände, die mit Argumenten wie Effizienz und Technologietransfer zunehmend Einfluss auf staatliche Programme zur Hungerbekämpfung nimmt. Denn ihnen fehlt der menschenrechtliche Ansatz, dass Frauen aufgrund ihres Menschseins das Recht haben, vor Hunger geschützt zu werden und Politik gleichberechtigt mitzugestalten. Viele Regierungen und Unternehmen sind jedoch an der Stärkung der Rechte der armen Bevölkerung nicht interessiert. Dies macht zum Beispiel das aktuelle „Vorzeigeprogramm“ der G8/G7-Staaten – die Neue Allianz für Ernährungssicherung – deutlich, das Konzernen als Türöffner für die Kontrolle der Agrar- und Lebensmittelmärkte in Afrika dient. Zu diesem Ergebnis kommt auch Oliver de Schutter, ehemals UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung. In einer Anhörung des Europäischen Parlaments hat er darauf hingewiesen, dass diese Allianz nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie die Hungernden als Rechtsträger ernst nimmt – vor allem die Frauen.

 

Die Autorin ist Gender-Referentin der Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland.

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