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Entwicklungshilfe Not als Wachstumsmarkt

Entwicklungshilfe hat sich zu einem modernen Business entwickelt. So lässt sich doppelt verdienen – bei der Verursachung der Not und bei ihrer Linderung.

04.12.2017 13:19

Seit alters lässt sich mit der Not von Menschen auch ein Geschäft machen. Heilberufe leben davon, Geldverleiher, Kirchen. Zuletzt sind zahlreiche Hilfsorganisationen hinzugekommen, die sich um Not- und Entwicklungshilfe kümmern. Wie sehr sich deren Tun zu einem modernen Business entwickelt hat, lässt sich auf Fachmessen beobachten, die die Branche inzwischen veranstaltet.

Zum Beispiel auf der Brüsseler „AidEx“ 2017, wo kürzlich 200 Dienstleister aus aller Welt ihre Angebote präsentierten: innovative Zelte, umweltfreundliches Kochgeschirr, das Handling von Nahrungsmittellieferungen, satellitengestützte Kommunikationstechnik, futuristisch anmutende Solarballons zur Stromversorgung in Flüchtlingslagern, Transporthubschrauber plus dazugehörige Fallschirme für die Lieferung von Hilfsgütern.

So sinnvoll und hilfreich solche Dinge im Einzelnen sind, bleibt ihre Zurschaustellung auf Messen doch armselig. Beworben werden technische Lösungen zur Bewältigung bestehender Krisen, nicht aber Ideen, wie dem in der Welt dramatisch wachsenden Krisengeschehen an der Ursache begegnet werden könnte.

Zum „business mindset“, das sich im Metier der Hilfe ausgebreitet hat, gehören dann auch höchst bedenkliche Forderungen, wie die des belgischen Entwicklungshilfeministers Alexander De Croo. Nachhaltige Hilfe, so der Minister auf der Messe, verlange nicht Geben, sondern Investieren. Aus Milliarden könnten Billionen werden, wenn Not- und Entwicklungshilfe für private Kapitalanleger attraktiv würde und Profit abwerfe.

Zukunftsmusik? – Mit Unterstützung der belgischen Regierung hat das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz“ einen ersten „Humanitarian Impact Bond“ aufgelegt, der Investoren, die den Aufbau von Rehabilitationszentren in Afrika finanzieren, eine Rendite von immerhin sieben verspricht. Das Risiko aber verbleibt zum überwiegenden Teil bei den beteiligten Regierungen, die aus Steuermitteln auch die Rendite bezahlen.

Dass die aufgeblähten Kapitalmärkte nach lukrativen Anlageoptionen suchen, ist bekannt. Dass sie nun unter tatkräftiger Mithilfe der Politik einen „Wachstumsmarkt Not“ entdecken, ist ein Skandal. So lässt sich doppelt verdienen. Bei der Verursachung der Not wie auch bei deren Linderung.

 

Der Autor ist Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International.

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