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Energie Wann liefert Apple Strom?

Technologie-Riesen streben übers Digitale hinaus: Die angebotenen Leistungen wachsen immer mehr in die physische Welt hinein

16.11.2018 17:04
Apple
Technologie-Riesen wie Apple bestimmen unser digitales Leben. Foto: rtr

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Technologiegiganten wie Apple oder Google das wichtige Geschäftsfeld der Energieversorgung für sich entdecken und in ihr Portfolio aufnehmen.

Die klassische Energiewirtschaft hat ein Problem. Die Unternehmen, von denen wir unseren Strom beziehen, wissen nicht, wer eigentlich ihre Kundinnen und Kunden sind. Jahrzehntelang endete ihre Sicht auf die Dinge beim Stromzähler im Keller. Wessen Strom hier gezählt wird, welche Wünsche, Bedürfnisse oder Meinungen diese Menschen haben, das war zweitrangig. Schließlich stellt man ein Produkt zur Verfügung, für das es keine Alternative gibt: Strom. Darauf ruhte man sich lange aus und konzentrierte sich darauf, das komplexe System im Hintergrund zu optimieren.

Doch auch hier schreitet die Automatisierung voran und das System im Hintergrund wird zunehmend härter umkämpft, Margen sinken, es gibt weniger Geld zu verdienen. Die Wertschöpfung verschiebt sich mehr und mehr in den von den Energieunternehmen sträflich vernachlässigten Bereich der Kundenbeziehung.

Kundenbeziehungen sind die Paradedisziplin von Technologieriesen wie Google, Amazon oder Apple, die unser digitales Leben bestimmen. Sie bauen Ökosysteme, in denen die Bedürfnisse und Nutzungsgewohnheiten der Kunden zentrale Elemente des Geschäftsmodells sind. Je mehr sie über ihre Konsumenten wissen, desto besser können sie ihre Angebote vernetzten. Die magische Grenze des Stromzählers, die die klassischen Energieversorger scheuen, gibt es für sie nicht.

Mit ihren „Smart Homes“ sind diese Unternehmen längst in Millionen von Haushalten präsent – in Form von Sprachassistenten wie Alexa, vom Smartphone aus gesteuerter Beleuchtung oder schlauer Kühlschränke. Bereitwillig werden diesen Services gegenüber persönliche Daten preisgegeben. Die angebotenen Leistungen wachsen immer mehr aus der digitalen Sphäre in die physische Welt hinein und damit in das Metier der Energieversorger. Die Unternehmen der heutigen Energiewirtschaft drohen damit zu simplen Erfüllungsgehilfen für die Betreiber der datengetriebenen Ökosysteme zu werden.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Riesen aus dem Silicon Valley zukünftig nicht nur unsere digitale Realität, sondern auch unsere heimische Infrastruktur beherrschen wollen.

Der Autor arbeitet bei der Berliner Denkfabrik Stiftung Neue Verantwortung.

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