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Elternschaft in Deutschland Die feministische Perspektive fehlt

Der moderne Feminismus fremdelt mit dem Thema Elternschaft. Dabei wäre eine kritische Auseinandersetzung und die feministische Perspektive dringend notwendig.

Die Erziehung der ganz Kleinen bleibt nach wie vor den Frauen überlassen. Foto: dpa

Das Bild einer Mutter in Deutschland ist immer noch das einer sich aufopferungsvoll kümmernden Frau, die sich ganz naturgegeben um den Nachwuchs sorgt. Doch damit nicht genug: Von einer Mutter wird erwartet an der Karriere weiterzuarbeiten, sportlich und attraktiv zu sein und dazu die „richtigen“ Gefühle der Freude und Zufriedenheit auszustrahlen.

Die meisten Feministen und Feministinnen sind sich einig, dass dieses Bild zu kritisieren ist. Und doch fremdelt der moderne Feminismus mit dem Thema Elternschaft. So ist es zwar bitter, aber wenig verwunderlich, wenn beim Thema Schwangerschaft eine überwunden geglaubte Geschlechterteilung plötzlich zum alleinigen und „natürlichen“ Maßstab wird. Infolgedessen ist ein gängiger Ratschlag, man könne den Mann jetzt ruhig bitten, etwas im Haushalt zu helfen. Doch nicht nur bei der Hausarbeit wird die Geschlechterteilung naturalisiert. Auch wird gerne behauptet, es gäbe eine besondere Beziehung zwischen Mutter und dem neugeborenen Kind, die es so zwischen Vater und Kind nicht gebe.

Dieses Bild der „natürlichen“ Mutterschaft hat ganz konkret zur Folge, dass seit Jahren 80 Prozent der Männer nur für die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten in Elternzeit gehen, während fast alle Frauen (87 Prozent) die maximale Bezugsdauer von zwölf Monaten ausschöpfen. Wenn Eltern sich entscheiden, die Kinderpflege gleichmäßiger aufzuteilen, müssen sich vornehmlich Frauen Vorwürfe gefallen lassen: „So früh abzustillen schadet deinem Kind! Glaubst du, dass du dein Kind schon so früh alleine lassen kannst?“ Männer dagegen werden geradezu frenetisch gefeiert, wenn sie samstags mit dem Nachwuchs spazieren gehen.

Das bedeutet nicht, dass der moderne Feminismus dieses Geschlechterbild unterstützt. Aber leider findet sich wenig aktuelle Kritik von Seiten der feministischen Bewegung, wenn diese scheinbar überwundene Geschlechterteilung in der Schwangerschaft wieder präsent wird. Noch gibt es zu wenig Forschung und nur wenige Blogs, die sich aus moderner, feministischer Perspektive mit Schwangerschaft und Elternschaft befassen. Damit (werdende) Eltern sich nicht in den Fallstricken der scheinbar „natürlichen“ Elternschaft verlieren, wäre eine kritische Auseinandersetzung dringend notwendig. Und deren Maßstab sollte – wie bei jeder politischen Debatte – das gute Leben aller sein.

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