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Elektromobilität Noch kein Erfolgsmodell

Gefördert wird die E-Mobilität kräftig, an Verbraucherschutz wird dagegen nicht gedacht. Die Gastwirtschaft.

18.07.2018 17:19
Marion Jungbluth

Seit 2007 fördert die Bundesregierung Elektromobilität. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Steuergelder fließen reichlich. Allein mit 600 Millionen Euro sollen Verbraucher zum Kauf von Stromern angereizt und die Autoindustrie motiviert werden, attraktive Elektroautos auf dem Markt zu bringen. Trotzdem springt der Innovationsmotor weder bei den Autokäufern noch bei der Automobilindustrie an. Solange wie möglich streichen Autohersteller lieber die höheren Gewinne mit großen Verbrennern ein. E-Autos sind im Autohandel immer noch ein Nischenprodukt. Lieferzeiten bis zu einem Jahr sind nicht selten. Fördern ohne fordern, scheint hier das Motto des federführenden Bundeswirtschaftsministerium zu sein. Welcher andere Wirtschaftszweig bekommt die Umstellung ihrer Produktpalette finanziell derart versüßt wie die Autoindustrie?

Der Staat vernachlässigt seine disziplinarischen Möglichkeiten und eine notwendige Regulierung findet nicht statt. Elektromobilität entwickelt sich bisher nur zum Erfolgsmodell für Roaminganbieter und für einige Energieversorger, die ungehindert regionale Monopole an öffentlichen Ladesäulen aufbauen können. An den auch mit vielen Steuergeldern finanzierten Ladesäulen können Elektromobilisten einige Überraschungen erleben. Für eine Ladung werden zum Teil Preise von mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde oder 7,95 Euro pro Ladevorgang fällig.

Über den jeweiligen Preis wird nicht an der Ladesäule transparent informiert, sondern die Kosten werden erst später mit der Rechnung offenbart. Wagt es der Kunde dann der Rechnung zu widersprechen, wird schon mal kurzerhand die Ladekarte gesperrt. Ad-hoc-Laden ohne vorherigen Anmeldung ist an vielen Ladesäulen gar nicht möglich. Spontane Sonntagsausflüge? Fehlanzeige. Dem Preis-Wildwuchs an öffentlichen Ladesäulen schaut die Bundesregierung tatenlos zu. Die Ladesäulenverordnung legt zwar technische Mindestanforderungen an den Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten fest, schreibt aber keine transparente Preisgestaltung vor.

Der Verbraucher wurde hier also nicht mitgedacht. Vertrauen in neue Produkte wächst aber nur mit Verbraucherschutz. Ohne funktionierenden und guten Verbraucherschutz wird Elektromobilität nicht auf den Straßen sichtbar und sicher kein Erfolgsmodell.

Die Autorin leitet das Team Mobilität und Reisen im Bundesverband der Verbraucherzentralen.

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